Gunda Béla et al. (szerk.): Ideen, Objekte und Lebensformen. Gedenkschrift für Zsigmond Bátky - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 29. (Székesfehérvár, 1989)

László Lukács: Feuerstätten im ost-transdanubischen Haus

Abb. 1.: Offener Rauchfang aus lehmverputztem Geflecht mit Holzgerüst, Dunapentele. Zeichnung von Aurél Vajkai, 1951. 80—96; Bakó 1974, 217—285; Lukács 1982, 133—157; Sztrinkó 1984, 437—470; Sándor 1985, 449—525). In der vorliegenden Arbeit werden die Feuerstätten Ost- Transdanubiens geschildert. Nach den Angaben über die Rauchküchenhäuser und der Beschreibung des Feuerungs­systems wird die Frage untersucht, wie das ost-transdanu­­bische Wohnhaus aufgrund der Feuerstätten in die regio­nalen Typen der ungarischen Bauernhäuser eingereiht wer­den kann. Zsigmond B á t k y bemerkte, für Ost-Trans­­danubien sei dieselbe Hauskultur bezeichnend wie für die Große Ungarische Tiefebene (1938, 254). Um die Überein­stimmungen und Unterschiede aufdecken zu können, ist es von besonderer Bedeutung, auf die bestehenden Verbin­dungen zwischen den Elementen des ost-transdanubischen Feuerungssystems einerseits und dem Feuerungssystem des benachbarten mittelungarischen oder tiefländischen, des westungarischen oder mittel-transdanubischen, des südungarischen oder nieder-transdanubischen Haustyps sowie der Hauslandschaft der Kleinen Ungarischen Tief­ebene andererseits hinzuweisen. I. Die Rauchkiichenhäuser In der Besprechung des Buches A Balaton-melléki lakos­ság néprajza (Volkskunde der Population am Plattensee) von János Jankó schreibt Zsigmond B á t k y im Jahre 1903, die Rauchküchenhäuser seien eventuell auch in den Komitaten Fejér und Tolna vorgekommen (Bátky 1903a, 62). In „Volkskunde des Ungartums“ schreibt er hingegen, dieser Haustyp käme nur „in der Mitte und im westlichen Teil Transdanubiens, in den Komitaten Győr, Sopron, Veszprém, Somogy, Zala und Vas, vor“ (Bátky 1933, 194). Aus den Forschungen von Jenő Barabás ist uns be­kannt, daß der offene Schornstein in Transdanubien erst während seiner Expansion im 18,—19. Jh. den Haustyp mit Rauchküche und Kachelofen immer weiter westwärts verdrängte. In seinem Aufsatz A lakóház füsttelenítéséről (Zur Enträucherung des Wohnhauses) brachte Jenő B a - rabás eine Landkarte, wo in Mittel-Transdanubien eine Mischzone zweier Feuerungssysteme — Stubenofen mit Hinterladerprinzip (offener Schornstein) und Rauchküche mit Kachelofen in der Stube mit gleichem Prinzip — auf­gezeigt wird (1970, 278, 281). Auch das westliche Mezöföld-Gebiet zwischen den Flüs­sen Sió und Sárvíz wird als eine Mischzone dieser beiden Feue­rungssysteme dargestellt. In seinem Leitfaden der Volks­architektur schreibt B a r a b á s, das Verbreitungsareal der Feuerstätte mit Rauchküche und Kachelofen „habe sich früher nachweisbar bis in die Komitate Sopron, Fejér, Tolna und sogar Baranya erstreckt... In Ost-Transdanu­bien sind nur mehr rudimentäre Elemente der Rauchküche nachzuweisen, eher nur in der Erinnerungen.. .“(Barabás— Gillyén 1979, 74). Dasselbe stellte er auch in seiner jüng­sten Zusammenfassung der Volksarchitektur über die Ver­breitung des typischen Grundrisses der Rauchküchenhäuser (alle drei Räumlichkeiten offen sich auf den Flur oder den Hof) fest : „... dessen Verbreitungsareal hat sich im Laufe der beiden Jahrhunderte (18.—19.) verändert, es erstreckt sich ungefähr auf die Komitate Vas, Veszprém, Zala und Somogy, reichte aber auch in die Komitate Tolna sowie — in geringerem Maße — Baranya und Fejér hinein.“ (Ba­rabás—Gilyén 1987, 25). Aufgrund dessen erwartete ich im östlichen Transdanu­bien das Vorhandensein der für beide Feuerungssysteme bezeichnenden Elemente, da ich meinte, die Feuerstätte mit Rauchküche und Kachelofen gehört in der Geschichte der Baukultur dieses Gebietes zu einer älteren, das Feuerungs­systems mit Stubenofen nach dem Hinterladerprinzip zu einer neueren Schicht. Im Ergebnis meiner Forschungen in der Fachliteratur und Archiven konnte ich über das frü­here Vorkommen der Rauchküchenhäuser im Mezöföld- Gebiet folgende Angaben entdecken ; Nach der Befreiung von der Türkenherrschaft (1688) wurden in der schwer zerstörten Stadt Székesfehérvár gegen Ende des 17. und Anfang des 18. Jh. zuweilen noch rauchfanglose Häuser gebaut. Dazu der Stadtarchivar Viktor Juhász : „Es geschah, daß man auf das Haus überhaupt keinen Rauch­fang baute, sondern den Ofenrauch aus der Stube auf den Dachboden steigen ließ“. (1933, 25) In Falubattyán (ge­hört heute zu Szabadbattyán, Kom. Fejér) erinnerte sich im Jahre 1948 der Ackerbauer József M. Molnár, 72, fol­gendermaßen an die rauchfanglosen Häuser, die vor einem Jahrhundert noch häufig vorkamen: „1848 kamen die Kroaten. Ein Offizier wandte sich an meinen Großvater, er möge ihm zeigen, wo der Richter wohnt. Dort, in dem Haus mit Rauchfang. Damals hatte nur jedes zehnte Haus einen Rauchfang.“ (Szolnoky, 1948, 67) Als Jenő Bara­bás 1959 in Tác (Kom. Fejér) Material zum Atlas der Ungarischen Volkskunde sammelte, entdeckte er — neben den in der Ortschaft allgemein gebräuchlichen Küchen mit offenem Rauchfang — auch Erinnerungen an die früheren rauchfanglosen Küchen: „Eine deutlich nicht definierbare Feuerungsstätte: Mehrere Leute erinnern sich an ein Haus, welches noch vor dem ersten Weltkrieg abgerissen wurde (Familie Molnár) und keinen Rauchfang hatte. Es wurde auch Rauchhaus genannt, doch ist die Beschreibung nicht klar. Es stand darin ein Backofen, der Rauch kam... durch das Dach und die Tür heraus. Gekocht wurde neben und auf dem Backofen. Zwei Personen behaupteten etwas unsicher, daß die Küche keine Decke hatte und der Rauch in den Dachoben aufstieg, man wunderte sich sogar, daß das Schilfdach nicht Feuer fängt. Es dürfte mehrere derar­tige Häuser gegeben haben, denn es werden manche Dach­84

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