Fitz Jenő (szerk.): A Pannonia Konferenciák aktái IV. Bronzes Romains figurés et appliqués et leurs problemes techniques - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 27. A Pannon konferenciák aktái 4. (Székesfehérvár, 1984)
Helmut Buschhausen: Mittelalterliche Metallarbeiten und die Antike
Alba Regia, XXI, 1984 H. Buschhausen MITTELALTERLICHE METALLARBEITEN UND DIE ANTIKE Die Zeit der Völkerwanderung bedeutet das Ende der Antike und das Ende von deren goßer Errungenschaft, die Dinge in ihrer natürlichen Erscheinung abzubilden. Sie setzte dagegen andere Ausdrucksformen, die als mittelalterlich zu bezeichnen sind. Einzig in Konstantinopel blieb bis zum Untergang des oströmischen Reiches 1453 die Tradition der Antike kontinuierlich erhalten; im Westen hingegen wurde sie nur mihilfe von Renaissanceströmungen und Erneuerungen zu neuem Leben erweckt, vor allem in der Metropole Rom, beginnend mit der Renaissance unter Papst Leo dem Großen, fortgesetzt unter den Päpsten der Karolingerzeit und schließlich wieder im 12. Jahrhundert. Auch sonst hat der Westen im Mittelalter wunderbare Epochen einer Wiederbelebung der Antike erfahren, in fast allen Fällen jedoch als ein Ausdruck politischer Ideen und hauptsächlich mit dem Ziel, der Herrschaft die Würde und Größe des antiken Imperiums zu verleihen, oder eine antike Vergangenheit zu schaffen. Die Entwicklung begann bekanntlich unter Karl dem Großen, sie findet sich aber auch im Hochmittelalter, z. B. zur Zeit der Protorenaissance in Süditalien unter Kaiser Friedrich II. Hohenstaufen. An der renovatio des antiken Herrscherbildnisses haben entscheidend Großbronzen des Altertums mitgewirkt. Die Wiederbelebung antiker Formen aber konnte sich nur innerhalb der romanischen Gestaltungsgesetze entwickeln. Der monumentale Kopf aus Lanuvio, heute im Deutschen Archäologischen Institut zu Rom, ahmt zwar eine Großbronze des Kaisers Augustus bis hin zu den konturierten Lippen nach,-sie dürfte nicht zuletzt wegen der monumentalen Größe den Kaiser selbst darstellen,—, der tektonische Aufbau, die Frontalität und die geringe Tiefe des nur auf eine Ansicht berechneten Kopfes aber folgen ganz den Gesetzen der romanischen Säulenfigur und lassen sich am ehesten aus der spätromanischen Säulenfigur der Pyrenäen ableiten, sie finden sich wieder am Haupt des hl. Pastor im Portalgewände der Kirche Saint-Just-de-Valcabrère, die nur wenige Jahre vor dem Kopf aus Lanuvio entstanden ist. Mit fortschreitender Entwicklung fügt sich die umstrittene Bildnisplastik ganz in den Stil der europäischen Bauplastik am Übergang von der Romanik zur Gotik ein; die Antikenimitation wird auf das reine Attribut beschränkt. Die Büste zu Barlett a nämlich stellt sicherlich den verstorbenen Kaiser gemäß dem bereits von Fra Salimbena kurz nach dem Tod Friedrichs II. überlieferten Vatizinium der erithräischen Sibylle „ Vivit et non vivit” dar. Die formalen Voraussetzungen für das Bildnis zu Barletta entstammen der französichen Bauplastik des frühen 13. Jahrhunderts, nämlich der Westfassade der Kathedrale Notre-Dame zu Reims. Hier wird der hl. Nikasius oder der hl. Dionysius von den Toten auferweckt und von zwei Engeln zum Himmel emporgeleitet. Mit dem Haupt von der Büste zu Barletta wendet sich die unteritalienische Plastik der Protorenaissance von der Antikenrezeption ab und schließt sich der europäischen Stilentwicklung von der Romanik zur Gotik an (Buschhausen 1978, 1984). Anfänglich glaubte man, daß die darauf folgende Antikenrezeption des Nicola Pisano zweckfrei sei, die Nachahmung von damals in Pisa vorhandenen Sarkophagreliefs, wie dem Hippolytus Sarkophag im Camposanto. Die Figuren der neutestamenlliehen Szenen der Pisaner Domkanzel hatten aber zum Ziel, der Comune Pisa im Hochmittelalter eine antike Vergangenheit zu schaffen, wie es Venedig ein Jahrhundert später mit einer neuen Redaktion des Alexanderromanes für das eigene Selbst Verständnis postuliert hat (Seidel 1975). Eine Kunstlandschaft jedoch hat dank der Traditionen aus dem karolingischen Erbe wiederholt zweckfrei und um eines besseren Naturverständnisses wegen auf die Antike zurückgegriffen, nämlich das Maasland. Durch die Münzwerkstätten des Maaslandes und den daraus resultierenden Reichtum waren hier besonders gute Voraussetzungen für Metallarbeiten entstanden. Kultgegenstände aus kostbarem Metall haben — führt man sich beispielsweise das Chronikon Hugonis vor Augen — der Kirchenausstattung zu einer 8* 115