Fitz Jenő (szerk.): A Pannonia Konferenciák aktái IV. Bronzes Romains figurés et appliqués et leurs problemes techniques - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 27. A Pannon konferenciák aktái 4. (Székesfehérvár, 1984)
Helmut Buschhausen: Mittelalterliche Metallarbeiten und die Antike
unglaublichen Pracht verholfen, von der den Besuchern der großen Goldschmiedeausstellung zu Köln 1972 durch die große Ansammlung von Schreinen und Schreinfronten ein, wenn auch nur schwacher, Abglanz vor Augen geführt werden sollte. Am Anfang der Entwicklung zur Zeit der Romanik steht das Taufbecken aus Bronze zu Lüttich. Laut Chronicon Rhythmicon von 1118 hat Abt Helinus für seine Kirche Notre-Dame-aux-Fonts in Lüttich ein Taufbecken in Auftrag gegeben. Eine spätere Quelle schreibt dieses mit prächtigen Szenen verzierte Becken dem berühmten Goldschmied Reiner von Huy zu; es wird heute allgemein mit dem seit dem 18. Jahrhundert in der Kirche Saint-Barthélemy zu Lüttich stehenden Taufbecken identifiziert, wodurch dieses in der Regierungszeit des Abtes zwischen 1107 und 1118 entstanden wäre. Dargestellt sind die Taufe Christi und die des Cornelius durch Johannes den Täufer, sowie dessen Predigt in der Wüste, die Taufe des Crato durch Johannes den Evangelisten und die der Juden durch Johannes den Täufer. Das Becken ruht auf zwölf Rindern, die das Eherne Meer im Salomonischen Tempel darstellen sollen. Das Programm illustriert Szenen aus den Evangelien und die Apostelgeschichte; es ist durch den Bezug auf das Eherne Meer aber auch typologisch und damit schon aufgrund des Themas stark symbolisch. Der symbolische Gehalt drückt sich in der Symmetrie der Kompositionen, der Aneinanderreihung der säulenhaften Gestalten und nicht zuletzt durch die Reduzierung der erzählerischen Handlung auf das zum Verständnis des Themas eben notwendige aus, und damit entsteht weitgehende Eliminierung der narrativen Momente. Und trotzdem gehen die Darstellungen des Reiner von Huy in der Nachahmung der Antike über alles bis dahin Bekannte weit hinaus, so daß man das Taufbecken angesichts der nicht eindeutigen Quellenlage wesentlich später datieren wollte, wogegen allerdings die Inschriften eindeutig sprechen, die epigraphisch fest in der Tradition des 11. Jahrhunderts stehen und sich nicht nach dem 1. Viertel des 12. Jahrhunderts datieren lassen. Ohne Kenntnis der antiken Körperlichleit können die als Halbprofil, bzw. als Rückenfigur gegebenen Täuflinge in den Bildern mit der Taufe des Cornelius, bzw. mit der des Crato und die Täuflinge im Bild mit der Johannestaufe nicht entstanden sein. Letzteres Bild ist auch im Ms 78 A6 des Kupferstichkabinetts zu Berlin enthalten, einer um 1170 entstandenen maasländischen Handschrift, es ist hier aber viel erzählerischer gegeben. Das Psalterfragment zu Berlin geht sehr wahrscheinlich auf einen frühchristlichen Bilderzyklus in Rom zurück. Dieser dürfte, wie auch verschiedene illustrierte Heiligenviten von hier aus in den Norden gewandert sein. Gleichwertig hinzu treten lokale Stilelemente, die Rückenfigur auf dem Taufbecken läßt sich mit Aposteln aus der Himmelfahrt auf einem karolingischen Elfenbein des 9. Jahrhunderts aus Nordfrankreich vergleichen, der schichtenförmige Aufbau der Gewandfalten dürfte von antiken Kleinbronzen der nördlichen Provinzen abzuleiten sein (Klemm 1973; OAKESHOTT 1959). Aus letzteren Wurzeln haben die antikisierenden Bronzearbeiten Lothringens geschöpft, nämlich die Fragmente der beiden Leuchterfüße zu Prag und Reims und der Trivulziokandelaberzu Mailand um 1200. Ersterer dürfte laut Inschrift trotz des späten Datums vom 14. Jahrhundert doch anläßlich der Eroberung von Mailand 1162 durch Friedrich I. Barbarossa dort erbeutet und nach Prag gebracht worden sein, wodurch ein guter terminus ante quem gesichert erscheint. Füreine Entstehung in Italien fehlenfür beide Leuchter stilistiche Voraussetzungen, solche aber sind nur in Lothringen gegeben, wo zumindest seit der Entstehung des Taufbeckens zu Lüttich eine feste Tradition in der Nachahmung antiker Vorbilder besteht. Wo immer der Trivulzio Kandelaber entstanden sein mag, in England bzw. in Lothringen, sein Künstler dürfte aus antiken Quellen geschöpft haben. Der bärtige Flußgott ist als nackte Rückenfigur gegeben und steht damit in der Tradition der Täuflinge auf dem genannten Taufbecken, sein Kopf allerdings imitiert den eines antiken Vulkan, wohl von einer Bronzegestalt (Homburger 1949; Fillitz 1977). Die stärkste Antikenrezeption findet sich bekanntlich bei Nikolaus von Verdun, von dem drei gesicherte Werke erhalten geblieben sind : Der Verduner Altar zu Klosterneuburg aus dem Jahre 1181, der kurz darauf begonnene Dreikönigenschrein im Dom zu Köln und schließlich der Marienschrein zu Tournai von 1205. Die Bedeutung des Nikolaus für die Entwicklung der Gotik, für die Entstehung des sogenannten Übergangsstils, für die Überwindung der symbolistischen Darstellung kann nicht hoch genug eingestuft werden. „Kunstgeschichtlich müssen wir die Emailbilder als den gewaltigen Aufbruch eines Genies zu einer neuen Epoche werten, weil Nikolaus von Verdun in die herkömmliche Bildvorstellung ein vollkommen neues, in die Zukunft weisendes Wirklichkeitsverständnis gebracht hat, das ihn in die Nähe der großen Meister der Antike und der Renaissance rückt” (Röhrig 1979; Busch AUSEN 1981). Dieses eigene Wirklichkeitsverständnis aber ist mithilfe einer neuen Hinwendung zur Antike enstanden (Claussen 1977; Fillitz 1980). Einst wollte man für den Nikolaus die Kenntnis klassisch griechischer Kunst voraussetzen und verglich die ruhenden Gestalten in den Geburtsszenen des Verduner Altars mit entsprechenden am Parthenon zu Athen. Die Frage den nach direkten Vorlagen des Nikolaus, d. h. die Frage nach jenen Werken der antiken Kunst, die Nikolaus gesehen haben kann, bereitet angesichts des Erhaltungszustandes erhebliche Schwierigkeiten, und dürfte in den meisten Fällen unmöglich zu beantworten sein. Seit langem wird vermutet, daß das Bild der Ceres vor dem runden Altar der Kybele auf dem spätantiken Relief der Nicomachi im Musée de Cluny zu Paris Volbach 1976) wohl das direkte Vorbild für dasjenige der Königin von Saba in der Begegnung von Salomon mit der Königin als Antitypus zur Anbetung der Könige auf dem Klosterneuburger Altar abgegeben habe (Fillitz 1973). Zusammen mit seinem Gegenstück, dem Elfenbein der Symmacher im British Museum zu London, wurde es laut eines verläßlichen Itinerars vor der Französichen Revolution im Reliquiar des Bercharius in der Abteikirche Montier-en-Der in der Nähe von Troyes aufbewahrt (Claussen 1978). Die beiden Elfenbeine sind also im Mittelalter bekannt gewesen. Nikolaus könnte sie in der Abtei gesehen haben, zumal sein Stil in manchert Hinsicht Elemente aus dem Norden Frankreichs enthält und der Meister sehr wohl eine Reise in die Champagne gemacht haben könnte. 116