Fitz Jenő (szerk.): The Celts in Central Europe - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 20. A Pannon konferenciák aktái 2. (Székesfehérvár, 1975)

O. H. Frey: Ein bemaltes Spätlaténegefäss aus Manching

Parallelen zu dem charakteristischen Ornament des Manchinger Gefäßes sind mir aus dem kelti­schen Bereich nicht bekannt. Die zahlreichen Scher­ben aus diesem Oppidum haben nichts geliefert, das sich möglicherweise ähnlich rekonstruieren ließe. Verwandt scheint nur ein Scherben vom Hradistë bei Stradonice zu sein, auf dem über eine kleine Pflanze, die ebenfalls ein Blatt mit gewelltem Um­riß zeigt, ein Tier steigt(4). Auch Metallarbeiten mit Rankendekoration haben keine direkt vergleich­baren Muster geliefert. Dagegen fühlt man sich unmittelbar an mediter­rane Akanthusornamente erinnert. Die breiten Blät­ter, die sich an die Stengel schmiegen, ihr gewellter Umriß, das Überfallen eines Blattendes, die am Boden hingebreiteten Formen sind alles typische Akanthus­­bildungen. Man kann Ausschnitte des Ornaments direkt griechisch interpretieren (cf. Abb. 2a,b), um den Ursprung der Muster zu erhellen. Abb. ‘2: a —b = Verzierungsdetail und Interpretatio Graeea. Cisalpina und dem Keltengebiet nördlich der Alpen hat J. Werner in zwei Aufsätzen hingewiesen(8). Durchbrochene Ornamente auf Pferdegeschirr und Wagenbeschlägen, der Palmettenschmuck von Gür­telhaken usw. sind Zeugnis für solche Verbindungen. Entsprechend wird man auch einen intensiven Verkehr mit den Galliern westlich des Rheins vor­aussetzen dürfen, die wenigstens seit den Kriegen Caesars einer zunehmenden Romanisierung aus­gesetzt waren. Kopfappliken von Schwertern von Stradonice und Stare Hradisko, die zwar auf eine längere Tradition zurückgehen, jedoch in dieser Zeit deutlich Züge antiker Formengebung tragen, verdent­­lichen Kontakte in dieser Richtung(7). Wenn man auf die Entwicklung der kel ischen Kunst zurückblickt, so war für sie eine wesentliche Voraussetzung, dass die Verbindungen zum mediter­ranen Bereich niemals aufhörten. In den Unter­suchungen P. Jacobsthals wurden die antiken Bei dieser Deutung stellt sich sofort die Frage: was diente dem Manchinger Künstler als Vorbild. Sicherlich muß man an Werke in Malerei denken oder in ganz flachem Relief. Anders ist das Motiv des überfallenden Blatts nicht erklärbar. Die apulischen Vasen des 4. Jahrhunderts, auf denen am ehesten vergleichbare Pflanzendickichte vorkommen(5 *), sind zeitlich so viel früher, daß man an direkte Bezie­hungen nicht denken mag. Ähnlich reich verzierte Metallarbeiten, die als Handelsgut nach Mitteleu­ropa gelangt sein könnten, sind mir unbekannt. Verschiedene andere Handelsprodukte liessen sich als mögliche Vorlagen diskutieren. Wahrschein­licher ist, daß der Manchinger Künstler Werke in Italien aus eigener Anschauung kannte. Man muß debei nicht nur an weite Fernbezie­hungen denken. Auf Kontakte zwischen der Gallia (4) J. P. Pic - J. Dechelette, Le Hradischt de Strado­­nitz en Bohême. Leipzig, 1906, T. XLIX, 2. (5) Zur apulischen bzw. süditalischen Vasenmalerei cf. ■/.. B. A. Stenico s. V. Apuli, vasi. Enciclopedia dell’Arte Antica I. Roma, 1958, 502 — 509. oder: A. D. Tbendall, South Italian Vase Painting. The Trustees of the Brit. Mus. London 1966. - Dort ausführliche Literaturhinweise. Einflüsse auf den ,,Frühen Stir”' deutlich hervor­­gehobenj8). Allerdings denkt er schon während des Waldalgesheimstils nur noch an sporadische Kon­takte, die z. B. durch die Sternblümchen auf dem Halsring von Waldalgesheim selbst angezeigt würden. Die Schwertstile werden allgemein nur noch als eine rein keltische Fortsetzung des Waldalgesheimstils angesehen. Diese Schau ist sicherlich zu einseitig. Der Waldalgesheimstil ist nur bedingt als Fortsetzung des ,,Frühen Stils'’ anzusehen(9). Schon die verschiedene (6) J. Werner, Keltisches Pferdegeschirr der Spätla­­tènezeit. Saalburg-Jahrb., XII ,1953, 42 — 52; Id., Aquileia-Velem-Hrazany. Palmettenförmige Gürtel- Schließen aus pannonischen und boischen Oppida. Alt-Thüringen, VI, 1962/1963, 428 — 435. (7) C. F. C. Hawkes, Continantal and British An­thropoid Weapons. Proc. Prehist. Soc. X. S. XXI, 1955 (1956), 201 —227. —Eine gute Abbildung des Fundes von Stare Hradisko bei J. V. S. Megaw, Art of the European Iron Age. Bath, 1970, Nr. 242. (8) P. Jacobsthal, Early Celtic Art. Oxford, 1944. (9) Cf. O.-H. Frey, Premier style — Style de Waldal­gesheim. Remarques sur l’évolution de Vart celtique ancien. Celtic Art in Ancient Europe. London, 1974, 141 - 156.

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