A Herman Ottó Múzeum Évkönyve 30-31/2. (1993)

LOVÁSZ Emese: Császárkori telep feltárása Tiszaladányban

DIE ERSCHLIEßUNG EINER KAISERZEITLICHEN SIEDLUNG IN TISZALADÁNY (Resümee) Erfreulich vächst in jüngster Zeit die Zahl unserer völkerwanderungszeitlichen Siedlungsgrabungen, und parallel dazu hat sich auch deren Veröffentlichung beschleunigt. Groß ist die Verantwortung des Ausgräbers, ist doch die Ausgrabung selbst in einem gewissen Grade mit Zerstörung verbunden: der Ofen wird zerlegt, die Fußböden der Häuser werden aufgerissen und auch das letzte Stück Scherbe vom Schauplatz weggetragen. Lediglich die Zeichnungen und Schnitte bewahren etwas von dem, was wir dort gesehen haben. Im allgemeinen gut für die völkerwanderungszeitlichen Siedlungsgrabungen, daß die freigelegten „Häuser" nicht eindeutig als Wohnhäuser zu betrachten sind. Ihre Grundfläche differiert zwischen 6-16 m m . Auch ihre Pfostenkonstruktion ist innerhalb einer Siedlung sehr unterschiedlich, aber alle haben ein gemeinsames Kennzeichen: nur in den seltensten Fällen findet man darin eine Feuerstelle oder zumindest provisorische Feuerstelle. Letztgenannte erweisen sich meist als nachträgliche Eingrabungen. Diese Objekte kann man ruhigen Gewissens als „Nebengebäude zu Wirtschaftszwecken" bestimmen, bei denen es sich um Werkstätten, Speicher, eventuell Ställe gehandelt haben dürfte. Nicht hinreichend belegt werden konnte die Existenz von an der Oberfläche errichteten Langhäusern mit Pfostenkonstruktion und vielleicht Mehrzweckeinteilung. Hier stellt sich erneut die Frage: Weshalb vertauschten die germanischen Völker in ihren neuen Siedlungsgebieten (die sich weden klimatisch noch geographisch einschneidend von den alten unterschieden) ihre bequemen, massiv errichteten, mit Feuerstelle ausgestatteten Häuser - von denen authentische Quellen berichten - mit kleinen Erdhütten? Oder sollte die landwirtschaftliche Bewirtschaftung im Laufe der Jahrhundert derartige Zerstörungen angerichtet haben? In glücklicheren Fällen konnten auch Pfostenlöcher, Gräben, Pflocklöcher oder Reste von Zäunen freigelegt werden. Die größeren Siedlungsteile sind Spiegel eines vielschichtigen Wirtschaftslebens. Die Funktion der Gruben, Mieten ist voneinander trennbar. Unterscheiden lassen sich außer den Abfallgruben die zum Sammeln von Wasser verwendeten Objekte, meist an den Seiten und am Boden mit Anwurf sowie mit rückgesetzten Wänden (so konnte das Wasser vom Rand herabtropfen und die Gruben wände nicht aushöhlen). In einigen Gruben kamen viele Tierknochen zum Vorschein, und um Getreidespeicher dürfte es sich bei jenen Gruben gehandelt haben, deren Boden ebenfalls mit einem - fallweise sogar gebrannten - Lehmanwurf versehen war. Auch auf Räuchergruben stieß man in mehreren Siedlungen: neben Tiszaladány werden derartige Gruben außerdem von den Fundorten Hódmezovásárhely-Kopáncs, Szeged-Algyö, Nagymágocs-Paptanya erwähnt. Das Siedlungsdetail in Tiszaladány ist mit seinen 6700 m m Grundfläche wiederum nur ein Bruchteü. Der am Rande des Dorfes gelegene Sandhügel war bis zum Beginn der Rettungsgrabungen bereits zu einem Dreiviertel abgetragen worden. Die verbliebene fläche wurde von uns freigelegt und entsprechend unseren Möglichkeiten dokumentiert. Das aus 214 Gruben und vier Gruben-„Objekten" stammende umfangreiche Keramikmaterial ist seit den Erschließungen 1987-88 erst zum Großteü restauriert. 85

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