A Herman Ottó Múzeum Évkönyve 27. Tanulmányok a 70 esztendős Végvári Lajos tiszteletére. (1989)

OROSZ György: Egy XV. századi ikon üzenete a ma emberének

DIE BOTSCHAFT EINER IKONE AUS DEM 15. JAHRHUNDERT AN DEN HEUTIGEN MENSCHEN (Auszug) Zum tausendj ährigen Jubileum der Christianisierung Rußlands (988-1988) wen­det sich die Aufmerksamkeit wieder den bedeutendsten Werken der russischen geisti­gen Kultur zu. Der Name Andrej Rubljov ist zum Symbol der russischen Kunst des Mit­telalters geworden und die Troica ist eine der wundervollsten Schöpfungen dieser Kul­tur. Von den Chroniken werden auch die Schicksale seiner Ikonen erwähnt. Auf der von Iwan dem Schrecklichen 1551 nach Moskau einberufenen Kirchensynode (Stog­law) wurde Andrej Rubljov für jeden Ikonenmaler als Vorbild hingestellt, in dem Sinne, daß „die Maler die Ikonen nach den alten Vorbildern malen sollen, so wie diese die griechischen Maler gemalt haben und wie sie Andrej Rubljov gemalt hat". Zur Troica fühlten und fühlen sich wegen ihrer wundervollen Vielschichtigkeit nicht nur die gebildeten Theologen und die einfachen Gläubigen hingezogen, sondern auch solche Menschen, die dem Glauben fernstehen. Die Ikone enthält auch eine Botschaft an die Menschen des 20. Jahrhunderts, aber bei oberflächlicher Prüfung bleibt ihre auch heute noch gültige Aussage verborgen. Zu deren Dekodierung muß man sich mit dem geschichtlichen, politischen und ideologischen Hintergrund der Entstehung der Ikone vertraut machen. Die Ikone der Heiligen Dreieinigkeit arbeitet ein Thema des Glaubens auf, eine Legende des Alten Testamentes: Gott erscheint Abraham im Eichenwald von Mamre in der Gestalt dreier Engel. Die drei Ankömmlinge sind darum erschienen, um eine wich­tige Botschaft zu verkünden; diese Botschaft - das ist das Bündnis zwischen Gott und den Menschen. Die heilige Dreieinigkeit Rubljovs kann aber nicht nur auf theologische Theorien beschränkt werden. Die traditionelle Darstellung wurde von mit den das Zeitalter des Ikonenmalers beschäftigenden Ideen erfüllt. Die Troica wurde „zu Ehren Vater Ser­gej s", des Begründers des ersten Klosters der Heiligen Dreieinigkeit geschaffen. Der heilige Sergej Radoneshskij stellte genau dieselbe Selbstaufopferung für Dmitrij Dons­koj und sein Heer, die gegen die Tataren in den Kampf zogen, als Beispiel hm, die Rubl­jov auf der Ikone der heiligen Dreieinigkeit verewigt hat. Vater Sergej hat die Troizkij­Kirche bauen lassen, um „in Anbetracht der heiligen Dreieinigkeit das Grauen der in dieser Welt wütenden verhaßten Entzweiung zu besiegen". Diese Schöpfung kirchli­cher Bestimmung gibt auf diese Weise Antwort auf eine damals sehr wichtige Frage der russischen Geschichte - durch die freundschaftliche Verbundenheit und das Bestreben zur Einheit kann die russische Erde endgültig vom verhaßten Joch der Tataren befreit werden. Aber der Grundgedanke und die Bedeutung Rubljovs Heiliger Dreieinigkeit sind viel umfangreicher, darauf weist Valerij Sergejev, berühmter sowjetischer Kunstge­schichtler hin: „Mit genialer Vollkommenheit hat er formuliert, daß die Liebe und die Einheit heilig sind, daß das die Grundlage für das ganze Dasein ist, das ist die vom Bösen nicht verzerrte Grundidee des Lebens". Andrej Rubljov wird von der Prawoslawischen Kirche als Heiliger verehrt, obwohl seine Kanonisierung erst 1988, zum tausendsten Jubileum der Christianisierung er­folgte. Seine Ikone der Heiligen Dreieinigkeit ist seit 1929 in der Tretjakow Galerie zu sehen. György Orosz 154

Next

/
Oldalképek
Tartalom