A Herman Ottó Múzeum Évkönyve 17-18. (1979)

BŐDI Erzsébet: Adatok a kelet-európai néprajz történetéhez (Bystron Jan Stanislaw és a lengyel néprajz)

338 BŐDI ERZSÉBET JAN STANISLAW BYSTRON UND DIE POLNISCHE VOLKSKUNDE (Beiträge zur Geschichte der osteuropäischen Volkskunde) (Auszug) J. St. Bystron war einer der ausgezeichneten Forscher der polnischen Volkskunde. Seine theoretischen und methodischen Feststellungen müssen auch in der Volkskunde an­derer Länder berücksichtigt werden. Seine wissenschaftliche Tätigkeit wird immer wieder neu entdeckt. J. St. Bystrohs (1892—1964) wissenschaftliche Tätigkeit kann auf den Zeitabschnitt vom Beginn des 1. Weltkrieges bis zum Ende des 2. Weltkrieges datiert werden. Nach dem 2. Weltkrieg war er leider nicht mehr aktiv tätig. Viele positive Umstände förderten die Entfaltung seines wissenschaftlichen Interesses. Sein Vater war ein Schüler des damals be­rühmten Philologieprofessors L. Malinowski (Vater von Bronislaw Malinowski). Während seiner Studienjahre kommt J. St. Bystron in persönlichen Kontakt mit ausgezeicneten pol­nischen Historikern, Folkloristen (mit dem vor kurzem verstorbenen J. Krzyzanowski), Philologen. Zu diesem Zeitpunkt reichen die Ergebnisse der polnischen Volkskunde schon aus, sie als selbständige Fachiwissenschaft an Universitäten und anderen Instituten fungie­ren zu lassen. In seinen jungen Jahren stand J. St. Bystron in ständiger Verbindung mit fran­zösischen Soziologen (M. Hubert, M. Mauss), die sich mit volkskundlichen Forschungen beschäftigten. Schon 1919 wird er mit der Leitung des Lehrstuhls für Ethnologie ind Volks­kunde in Poznan beauftragt. Auf der Krakauer Jagello-Universität wird auf seine Initiative innerhalb des Ethnologischen Lehrstuhls der Lehrstuhl für Soziologie gegründet. Auf seiner nächsten Stelle in Warszawa arbeitete er schon als Soziologe. Mehrere hundert Studien und mehr als 20 Bücher erschienen von ihm. Schon in seinen ersten Arbeiten bricht er mit den evolutionischen Anschauungen. In seinem Werk Zwyczaje zniwiarskie w Polsce erläutert er ausserordentlich detailliert die historische Realität, sucht er den Sinn der menschlichen Tätigkeit. Die gesellschaftlichen Wurzeln hebt er hervor. Da­durch gelangt er zu der Ansicht, dass die Differenzierung der Erntebräuche der Spiegel einer heterogenen Gesellschaft sein kann. Eine wichtige Feststellung trifft er auch für die Methode der Brauchforschung: „Forschungen jeder Art ... müssen das Material als historische Realität in Raum und Zeit so begrenzen und untersuchen, müssen Ursprung, Entwicklung und Untergang der einzelnen Glauben und Bräuche berücksichtigen." Zu seiner pädago­gischen Arbeit auf der Universität gehören die synthetisierenden, den Inhalt betreffend auch heute noch wichtigen Schriften. Er schrieb zwei „Einleitungen", die eine zur Volkskunde, die andere zur Soziologie. Die erste erschien 1926 und enthält auch heute noch gültige Lö­sungen von Problem in der Volkskunde. In der polnischen Volkskunde erkennt er als erster die Problematik und Wichtigkeit der von ihm als Synonym gebrauchten ethnischen Gruppen und ethnischen Gebiete: „Dem Studium der Volkskultur muss die Erforschung der eth­nischen Gruppen und Gebiete vorausgehen. Vor der Erforschung einzelner Kulturzweige müssen wir die gesellschaftlichen Gruppen kennenlernen, die die fraglichen Gebiete be­wohnen und die Schöpfer und Träger der Kultur sind. Es ist bekannt, dass die Volkskultur kein einheitliches, das ganze Gebiet der Nation bewusst umfassendes Ganzes bildet. .." Bei der Erforschung der Volkskultur sucht L. St. Bystron jene Züge Elemente, die er der bürgerlichen Kultur gegenüberstellen kann, die von ihr abweichen. Innerhalb der Volks­dichtung verfolgt er mit Aufmerksamkeit die Anonymität, die Umstände der Überlieferung, die aus der Unzuverlässigkeit des menschlichen Erinnerungsvermögens entstehenden Va-

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