Müller-Walter Judit: Mehr als Lebensgeschichten. Schicksale (Pécs, 2010)

Jene die damals noch Kinder waren János Müller, geboren am 9. Aprü 1939 in Erdősmecske. Frau Müller, geborene Maria Schultz. Geboren am 11. März 1940 in Püspöknádasd. Sie erlebten die Grausamkeiten, denen ihre Eltern ausgesetzt waren im Kindsalter: die Verschleppung der Eltern zum "Malenkij Robot", die Umsiedlung der Familien, und die Enteignung. Heute leben sie in Pécs. János: „Unabhängig von der Nationalität hatten es damals alle schwer. Ich weiß gar nicht, wie wir diese Zeiten überhaupt durchgestanden haben. Wir erlebten das alles als Kinder mit, aber was es für die Alten, unsere Eltern und Großeltern bedeutete, Tag für Tag unverschuldet als "Schuldige" abgestempelt zu werden, und alles zu verlieren. .. das hatten sie wirklich nicht verdient ." Maria: „Meine ältere Schwester Regina war im Jahre 1944 sechs Jahre alt und ich war vier, als man unsere Mutter in die Sowjetunion verschleppte. Unser Vater fiel als Soldat in Kriegsgefangenschaft und kam auf diese Weise auch dorthin zur "Wiedergutmachungsarbeit". Wir Kinder konnten uns nur an unsere Großeltern halten, sie sorgten für uns." Ich erinnere mich, als meine Mutter am zweiten Tag nach Weihnachten gehen musste. Meine Mutter und die anderen Frauen trugen die weiten Trachtenröcke mit den Tüchern über die Schulter. Als sie drei Jahre später zurückkehrten, trugen sie weder das eine noch das andere. Draußen hatten sie überhaupt keine Kleidung, also trennten sie ihre weiten und aus viel Stoff bestehenden Kleider auf und nähten sich daraus neue Kleidung. Meine Mutter erzählte mir, das sie damals abends mit dünnen Nadeln Stich um Stich ihre enggeschnittenen Kleider nähten. Und so trugen sie dann auch später nicht mehr ihre alte Tracht. Wir waren kleine Mädchen und erkannten sie nicht wieder als sie zurückkehrten. Meine Großmutter sagte, ich werde die Worte nie vergessen, sie sagte „Mädchen, eure Mutter ist angekommen". Unser Vater kam später unerwartet nach Hause. Über die Jahre in der Sowjetunion erzählten meine Eltern nichts, sie fürchteten sich darüber zu sprechen. Sie waren einerseits eingeschüchtert, andererseits schmerzten die Erinnerungen zu sehr. Auf die Liste zur Aussiedlung kamen wir beiden Kinder und unser Großvater . Unser Großvater war dann schon über sechzig Jahre alt. Was hätten wir dort draußen denn auch machen können, ein alter Mann und zwei kleine Kinder. Wir hatten schon alles gepackt, was wir laut Gesetz hatten mitnehmen dürfen, Johann Müller und seine Frau, geboren Maria Schultz

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