Müller-Walter Judit: Mehr als Lebensgeschichten. Schicksale (Pécs, 2010)

Kleidung und Lebensmittel also, und warteten auf denjenigen der uns mit dem Pferdewagen abholen sollte, dem dieser "Robot", wie wir das damals nannten, aufgetragen wurde. Natürlich meldeten sich die Menschen zu dieser Arbeit nicht freiwillig. Wer Pferde hatte, musste gehen und die ausgewählten Menschen zum Bahnhof fahren. Später erfuhr ich von meinem Gatten, dass gerade sein Großvater beauftragt war uns abzuholen, aber irgenwie ließ er uns aus und holte zunächst unsere Nachbarn ab. Sie wohnen übrigens heute immer noch in Deutschland, in der Nähe von Stuttgart, aber einer von ihnen ist inzwischen zurückgekehrt und hat das ehemalige Haus der Familie wiedererworben. So kam es, dass wir damals einfach nicht geholt wurden. Und als uns der Großvater meines Gatten abholen wollte sagten sie, dass sie die Aussiedlungen einstellen. So blieben wir zu Hause. Unser Wertsachen, wie unsere Nähmaschiene, unser Besteck, das Pocellan vergruben wir in einem Fass in der Scheune und warfen Heu darüber, so wie es alle im Dorf taten. Das wiederum wussten die Siedler und gruben alles wieder aus, auch unseres. So ging auch das verloren. Zu uns quartierte man eine Frau aus Debrecen mit ihren beiden Söhnen ein. Wir durften die Küche und ein Zimmer behalten, aber die anderen Teile des Hauses mussten wir ihnen überlassen. Wir konnten mit ihnen nicht wirklich sprechen, denn ungarisch haben wir nur in der Schule gelernt, und sie sprachen kein deutsch. Nach einigen Jahren wollten sie nach Vasas umziehen. In der Zwischenzeit waren unsere Eltern auch schon zuückgekehrt und wir kauften ihnen unser Haus wieder ab. So konnten wir wieder zusammen sein. Ein schmerzhafter Weihnachtsgruß vom Ural aus dem Jahre 1946 von Frau István Schultz, die dort dreiundhalb Jahre zum "Malenkij Robot" verschleppt wurde. Ihre Kinder, die bei ihrer Verschleppung, die sechsjährige Regina und die vierjährige Maria, waren mit ihren Großeltern zu Hause. Der Vater István Schultz geriet als Kriegsgefangener in eines der Arbeitslager in der Sowjetunion. Voneinander wussten sie nichts. Die Frau konnte im Juli, der Mann im Oktober 1948 in die Heimat zurückkehren . János: Man darf heute vielleicht schon darüber sprechen, dass ich in eine der wohlhabendsten Familien von Püspöknádasd geboren bin. In Nádasd gehörte uns das schönste und größte Haus und wir wohnten dort mit unseren Großeltern väterlicherseits. Wir hatten große Felder, Obstgärten, ein Kastanienhain, Tiere, Mühlen und ein Kornspeicher. Meine Mutter stammte aus Erdó'smecske. Ich war als Kind sehr gerne dort, wir gingen mit Pista sehr häufig durch den Wald rüber zu unseren Großeltern in Mecske. Ich habe nur noch vage Erinnerungen daran, wie Soldaten meinen Vater verschleppten, sie kamen zu mehreren und fuhren zum Bahnhof. Er kehrte mit schlimmen Verletzungen zurück. Er hatte einen Splitter in der Schädeldecke und lag nOMTOBAH KAPTOHKA CARTE POSTAL.E ... „„ Mf.yjM/J.^ -­cj %. <" j ,m In, tm

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