Levéltári Közlemények, 74. (2003)

Levéltári Közlemények, 74. (2003) 1–2. - FORRÁSKÖZLÉSEK - Tuza Csilla: Egy miniszteri biztos jelentése Zemplén megyéről 1850-ben / 269–299. o.

291 Tuza Csilla: Egy miniszteri biztos jelentése vvelche zu der vorzüglichsten Sprachschule des Volkes gehören, werden in einem entstellten Dialekte gehalten. In dieser Beziehung ware es nöthig, den katolischen Hörern der Theologie durch den böhmischen Vortrag einiger Gegenst&nde Gelegenheit zur Erlernung der eigentlichen Schriftsprache ihres Dialektes zu bieten. Der Schulunterricht kann fúr die slawische Schriftsprache nur durch Lehrer gevvinnen, vvelche sie selbst gut kennen. Bei der Anstellung der Lehrer in den slawischen Bezirken ware daher darauf zu sehen. dass sie solcher machtig sind. Die Regierung vvürde weiter diesem Bedürfnisse entsprechen helfen, wenn sie die Herausgabe wohlfeiler Volksbücher in einem Dialekte begünstigte. Das rege Lében der Czcchischen Literatur würde die Lösung dieser Aufgabe sehr erleichtern, denn diese Mánner leisten sehr viel, und würden gewiss géme ihre Mühen dem Staate vveihen, um das versumpfte Volk erziehen zu helfen. Die Ruthenen folgen den Vorgángen in Galizien. Eine wahre Wohlthat ist das Erscheinen der Wiener Slowakischen und Ruthenischen Zeitung. Die Juden sind im Besitze der altesten Civilisation. Ihr religiöses und bürgerliches Lében war lángst nach aílen Richtungen ausgebildet, als die übrigen Bevvohner des Landes noch auf der untersten Stufe der Gesittung standén. Ihr Unternehmungsgeist, ihre Erfahrenheit in den Dingen des grossen und kleinen Verkehrs, ihre Sprachkenntnisse, ihre durch háuslichen Unterricht und frühzeitige Übung ausgebildete Denkfáhigkeit gab ihnen ein Übergewicht über allé anderen Völkerschaften, die sie hier von Landstrich zu Landstrich fanden, ein Übergewicht, das durch einen tiefen religiösen Sinn, durch den Stolz das auserwáhlte Volk Gottes zu sein, und einen nie aufgelössten innigen Verband mit ihnen auf dem halben Erdrund zerstreuten Glaubensgenossen an Kraft und Nachhaltigkeit gewann. Sie wussten sich frühzeitig einen gewinnbringenden Einfluss auf die bestén Ertragsquellen des Landes mittels ihrer Alles überflügelnden Klugheit und Energie in Epochen zu verschaffen, welche die Wachsamkeit der herrschenden Klassen verminderten. Jeder Augenblick der Verlegenheit setzte sie in neue Vortheile, bei der Kriegsnoth waren sie diejenigen, welche Geld vorstreckten und dafúr sich an dem Staatseinkommen erholten. denn schon im dreizehnten Jahrhundert zogen sie in Ungarn den gesammten Nutzen der Staatsgüter. Mauthen und Zőllen an sich; bei Verlegenheit der Grossen halién sie bereitwilligst aus. sich den Lohn durch Beschlagnahme ihrer Revenuen sichernd. Wahrend der christliche Sinn des Mittelalters die Verziehung der Kapitalien den Christen untersagte, erwarben sie sich im ííinfzehnten Jahrhunderte ein förmliches Wucherprivilegium, die bestén Handleszweige übergingen nach und nach in ihre Hande, das halbe Land, selbst Kirchen und Rathháuser waren in ihren Pfandbesitz. Die Grossen des Landes kehrten von Zeit zu Zeit die Waffe der Gesetzgebung gegen sie. Man verwehrte ihnen z. B. durch Gesetze aus den Jahren 1222 und 1231 die Benutzung der Staatsgüter, im Jahre 1526 erklárte man sie sogar fúr unfáhig Hauser zu besetzen, im Allgemeinen behandelte man sie als blos Geduldete, denen keines der wesentlichen Rechte eines Staatsbürgers zu statten kommt, und die vom Eigenthum eben so fern gehalten werden müssen, wie vom Gewerbe; sie waren durch Jahrhunderte nicht besser darán, als ein fremder Tourist, der heute da, morgen dórt sein Haupt niederlegt, und nur so lange anstándig lében kann, als er Geld in der Tasche hat. Sie bildeten bis zum Jahre 1840 in Ungarn einen rechtlosen Haufen ungebetener Gáste von 240 000 Köpfen, seit welcher Zeit sie endlich durch einige Conzessionen in eine weniger schwüle Atmospháre versetzt wurden und freier athmen durften. Die Reichsverfassung vom Jahre 1849 verheisst ihnen die Gleichberechtigung, und sie glauben jetzt am Ziele ihrer Wünsche zu sein. Was machte sie der christlichen Bevölkerung so unbequem? Nur der Anstand, dass man ihnen den festen Boden der Existenz, das Eigenthum liegender Güter, und das Gevverbsrecht streitig machte. Sie wandten sich zu dem, was ihnen übrig blieb, zum Wucher und Hande] denn hier konnte sie kein Gesetz erreichen, weil Beides Dinge sind, die man ebenso nicht wie den Lichtstrahl unter Schloss und Riegel bringen kann. Auf diesem Gebiet bildeten sie den unzertrennlichen Bund, der sie unverwundbar macht, weil sie Allé für Einen und Einer fúr Allé stehen, wo es gilt, den Christen aus einem vortheilhaften Unternehmen zu verdrángen. In dieser Vereinigung schufen sie sich einen Ersatz des stehenden Grundeigenthums in dem Geldelemente,

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