Levéltári Közlemények, 66. (1995)
Levéltári Közlemények, 66. (1995) 1–2. - SASHEGYI OSZKÁR EMLÉKÉRE - Malfer, Stefan: Die Reform der Wehrpflicht als konservative Sozialutopie in einer Broschüre aus dem Jahre 1856 / 147–155. o.
148 Stefan Malfèr Durch die dankenswerte Mithilfe ungarischer und österreichischer Kollegen konnte die Anonymität dann doch gelüftet werden. Die Széchényi Nationalbibliothek und die Ervin Szabó Stadtbibliothek in Budapest enthalten nämlich unsere Broschüre zwar nicht in der deutschen, aber in einer ungarischen Ausgabe, u. zw. unter dem Titel ,,Honvédelmi kötelesség mint állam erő és családi s egyéni teher. írta egy nyugalmazott törzstiszt. Magyarra fordította Dómján". Das Exemplar in der Stadtbibliothek trägt den handschriftlichen Vermerk „Von dem pensionierten Major Pöschl". Es ist mit mehreren anderen Broschüren zusammengebunden, von denen noch eine laut handschriftlichem Vermerk von Pöschl ist (Plaudereien eines pensionierten Hauptmannes über Magnatenerziehung und vaterländische Politik. Raab 1866. Druck von Victor Sauerwein). Der Bibliothekskatalog trägt bei dieser zweiten Broschüre den Vermerk „von C. Pöschl". 2 Laut den Militärschematismen dieser Jahre kann es sich nur um den Major Karl Pöschl handeln. Aus dem Pensionierungsakt im Kriegsarchiv in Wien 3 geht folgendes hervor. Karl Pöschl, geboren 1798 in Raab, katholisch, ledig, diente seit 1815 in der kaiserlichen Armee, u. zw. im 48., 2. und 41. Infanterieregiment. 1845 erkrankte er an Arthritis, ließ sich 1847 pensionieren, nach Besserung des Gesundheitszustandes 1849 reaktivieren und diente jeweils kurze Zeit als Platzhauptmann in Raab, als Platzmajor in Arad (Ernennung zum Major 18. 9. 1849), Kanzleidirektor beim Militärdistriktskommando in Pest und schließlich als Platzmajor in Ofen. Auf eigenes Ansuchen wurde er wegen schwerer chronischer Arthritis für realinvalid erklärt und am 19. 12. 1850 pensioniert. Dem Akt liegen mehrere ärztliche Gutachten bei. Pöschl nahm seinen Wohnsitz in Raab. In der Individualbeschreibung heißt es, er „hat in Philosophie absolviert und besitzt vornehmlich Kenntnisse in der Geographie, Geschichte und Mathematik". Er sprach deutsch, italienisch und ungarisch gut, etwas englisch, französisch und rumänisch und „widmet seine Muße der Lektüre". Karl Pöschls Karriere war mit dem Ausscheiden aus dem Militärdienst noch nicht zu Ende. Wie aus den Geschäftsbüchern des Komitatsarchivs Győr hervorgeht, war Karl Pöschl 1851 Stuhlrichter im Dienst dieses Komitats. Er diente also in einer zweiten, zivilen Karriere in seinem Heimatkomitat. 4 Das Todesjahr konnte nicht eruiert werden. 2. Der Anlaß Es geht, wie gesagt, um die Reform der Wehrpflicht. Das Thema war damals sehr aktuell. Schon seit 1848 hatte es Reformschritte gegeben, wie die Aufhebung der Befreiung des Adels vom Militärdienst, die Einberufung nach dem Los, d. h. die Auswahl der Rekruten aus allen Tauglichen und nicht Befreiten durch Auslosung, und die Einführung der fixen Befreiungstaxe anstelle der freien Vereinbarung für die Stellvertretung. In Ungarn und Siebenbürgen war die freie Werbung abgeschafft worden. Die langfristige Tendenz ging in Richtung Objektivierung, das bedeutete mehr Gerechtigkeit, in Richtung Wehrdienstverkürzung und Verbreiterung der Kriterien für die Rekrutenauswahl. Das Kriegsministerium bemühte sich um weitere Reformen. Im Dezember 1855 hieß es in einem Schreiben dieses Ministeriums an das Innenministerium: „Die Notwendigkeit eines allgemeinen Rekrutierungsgesetzes ist unverkennbar. Das Bedürfnis danach stellt sich umso dringender dar, als gegenwärtig in den verschiede2 Ich verdanke diese Hinweise Herrn Dániel Szabó. 3 KM., Präs. 7960/1850; diesen Akt hat Herr Karl Rossa ausfindig gemacht. 4 Einen Hinweis, der zu diesem überraschenden Ergebnis führte, verdanke ich wieder Herrn Szabó, die Bestätigung Herrn Lajos Gecsényi und seinen Kollegen am Komitatsarchiv in Győr.