Szakcikk gyűjtemény
Dr. Georg B. Gruber: Ueber Wesen und Wertschätzung der Medizin zu allen Zeiten
59 Adresse: »An den berühmten Arzt in Europa.« Der Brief soll richtig in die Hände des Leydener Professors gekommen sein. Ausser der Medizin vertrat Boerhave auch das Fach der Botanik. 1738 starb er. »Simplex veri sigillum«, so lautete sein Wahlspruch. Nächst Boerhave sind Stahl und Hoffmann zu nennen, zwei Akademiker von hohem Ansehen, die beide ihr besonderes System vertraten. Stahl, ein echter Teleologe, nahm eine »Seele« — anima — als lebenswirkendes Agens an, die nicht etwa mit dem Geist, dem Bewusstsein oder Gemüt zu verwechseln ist, sondern ungefähr dem entspricht, was man sonst des fehlenden Begriffes wegen durch das Wort »Natur« oder »Physis« ausdrückt. Diese Seele des Animisten Stahl wirkte alles; und zwar bediente sie sich dazu des Blutkreislaufes, weshalb man bei Krankheiten — sive »Seelenstörungen« — den Blutkreislauf beeinflussen muss. So verhalf Stahl den »Hämorrhoiden«, den krampfadernartigen Ausdehnungen der hämorrhoidalen Venengeflechte zu ungeahnter Volksbedeutung. Mit diesem Geflechte, das bekanntlich sein Blut zur Leber schickt, zur Pfortader, brachte man alsbald »Melancholey und Hypochondrie« in Verbindung, und heute noch sagt ein Sprüchlein: »Vena portae, porta malorum«, oder derb und frei deutsch: »Es sind ihm die Hämorrhoiden ins Hirn gestiegen I« -— Im Gegensatz zu dieser humoralpathologischen Teleologie fasste Hoffmann als solidarpathologischer Mechanist das Leben in einem steten »Tonus« zusammen, erklärte es als ewiges Zusammenziehen und Nachlassen, etwa der systolischdiastolischen Herzbewegung entsprechend. Von diesem mechanisch-dynamistischen Gesichtspunkte aus war Krankheit eine gestörte Bewegung; man wollte sie durch Diät und Arznei (meist Hoehhe-kner Wein) kurieren. Hoffmann war eine Zierde der Berliner Fakultät und erfreute sich besonderer Wertschätzung Friedrich Wilhelms I. Dieser König tröstete anlässlich des Todes seiner Gattin den grossen Arzt mit dem Hinweis, es sei besser, seine Frau sei tot, als er;