Szakcikk gyűjtemény
Dr. Georg B. Gruber: Ueber Wesen und Wertschätzung der Medizin zu allen Zeiten
22 — »Magno ingenio, multaque nihilominus habituro, convenit etiam simplex veri erroris confessio; praecipueque in eo ministerio, quod utilitatis causa posteris traditur; ne qui decipiantur eadem ratione, quo quis ante deceptus est.« *) Nicht ganz so gerecht gegen den Arzt war ein anderer römischer Vielschreiber, der aber lange nicht so vielwissend, lange nicht so objektiv und kritisch war, nämlich C. Plinius Secundus, ein eingefleischter Nationalfanatiker. Er vollendete ebenfalls ein Sammelwerk, das namentlich in bezug auf Pharmakologie reichhaltig war. Dass Laien — Plinius war bekanntlich auch kein Arzt — sich so an die Wissenschaft heranmachten, beweist ein Wort, das Plinius selbst niederschrieb: Der praktische Römer brachte der Medizin — als Sache, als Wissenschaft, als Kunst — lebhaftes Interesse entgegen; der zweite Teil des Pliniusschen Ausspruches aber ist weniger erfreulich, nämlich, dass der Römer für die Kundigen in dieser Wissenschaft gar nichts übrig hatte.2) Infolge des griechischen »Stammbaumes«, möchte man sagen, blieb der Medikus in den Augen der konservativ römischen Tradition minderwertig. Und doch gab es recht tüchtige Männer zu Plinius’ Zeit in Rom, die dem Aeskulap zugeschworen. Ich erinnere nur an Soranus, einen Methodiker, der sich auf dem Gebiete der Frauenheilkunde hervortat, den Scheidenspiegel, sowie den Geburtsstuhl erfand. Auch einen rechten Pharmakologen durfte Rom sein eigen nennen zur Zeit Neros. Dieser Mann stammte aus Cili eien, hiess Dioskurides und war Militärarzt. Mit den *) Neuburger, Gesch. d. Med. I, S. 319; zu deutsch: »Einem grossen Geiste geziemt das einfache Zugeständnis eines Irrtums, wobei er trotzdem noch viele Vorzüge haben wird; namentlich geziemt ihm dies bei jener Befähigung, die ihrer Nützlichkeit wegen den Nachkommen überlassen werden muss, welche nicht in denselben Irrtum verfallen dürfen, der schon früher von jemand begangen wurde.« *) »Medicinae etiam avidus, donec expertam damnavit.«