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Prof. C. Binz: Die Einschleppung der Syphilis in Europa

6 flohen, vom Schrecken erfasst. Aber kaum hatte ich meinen Fuss aus den Thoren yon Augsburg gesetzt, als das unselige Wesen mich grausam zu peinigen begann. Yon seinen Wunden über und über bedeckt, musste ich fast zwei Jahre den Dienst des Kaisers und den Verkehr mit den Genossen meiden und mein Sinnen und Denken im Krankensessel liegend niederschreiben. “ Dieses Sinnen und Denken besteht unter anderem in der Schil­derung seiner Leiden und der dagegen unternommenen Curen, ferner in der Beschreibung der Syphilis, die er 1498 bei den deutschen Landsknechten des Kaisers Maximilian in Italien ge­sehen hatte. Griinpeck unternahm nach seiner Heilung wieder den Dienst beim Kaiser, bekam 1507 die höheren Weihen, wurde sogar dessen Beichtvater und starb nach 1581. Der Ursprung der neuen Seuche aus dem Geschlechtsverkehr wird allmählich immer klarer. Vor 1506 schreibt Jacob Wim- pheling, Professor der Theologie zu Heidelberg, Speyer und Basel: „Timeas ergo et procul fugias meretrices. Timeas, inquam, ne lepra neve gallico morbo contamineris. 0 quot adolescentes, quot viri a spur­cis meretricibus hoc Franciáé malum contraxerunt! Paucos audio castos et continentes hanc pestem incidisse .... Aspice*quam dira lues, quam difficile medicabilis, quantum multos in vultu suo deformavit, quantum terrebilia syntomata et reliquias in membris post se relinquat .... nares quoque eradicasse . . . hoc unum ab ista turpissima Veneris lascivia re­trahere te posset.“ Albrecht Dürer schreibt 1506 aus Venedig an seinen Freund W. Pirckheimer in Nürnberg: „Sagt unserm Prior meinen willigen Dienst. Sprecht, dass er Gott für mich hitt’, dass ich behüt’ werde und sonderlich vor den Franzosen, denn ich weiss nix, das ich übeler fürchte, denn schier jedermann hat sie. Viele Leute fressen sie gar hinweg, dass sie also sterben'“ Rasch und umfangreich war die Seuche gewachsen wie ein Feuer in dem dürren Gebälk einer Häuserreihe. Die Bedingungen dazu waren äusserst günstig, denn jene Zeiten ragten hervor durch Lüderlichkeit. Die Bordelle, schönsprachlich genannt Frauen­häuser, blühten in einer Weise, wovon alles, was wir heute in Ländern sehen, die sie gesetzlich zulassen, nur ein Abbild ist. Ohne Scheu schrieb man über den ausserehelichen Coitus mit einer Naivität, die uns heute wegen öffentlicher Unzucht vor den Straf­richter bringen würde. Die Kriegsheere führten ihre Dirnen im Tross mit sich und diese standen, um die Zucht einigermaassen aufrecht zu halten, unter dem eigenen soldatischen Befehl des Hurenweibels. Kurz, überall eine Bethätigung des rohesten Ge­schlechtslebens in allen Ständen und bei allen europäischen Na­tionen. Und dazu kam die Empfänglichkeit des Menschen für das neue Gift. Die Geschichte aller Epidemieen lehrt uns, dass jeder Ansteckungsstoff, der auf einen neuen, undurchseuchten Boden fällt, hier mit ungeheurer Fruchtbarkeit sich entfaltet. Niemals wurde das klarer gemacht, als bei der Verbreitung des Morbus novus von Süditalien aus; und erst nachdem die Seuche gegen __

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