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Fritz Raab: Leonardo da Vinci als Naturforscher

19 beschäftigt sich ausschließlich mit Pflanzenkunde und im Codex Atlanticus beschreibt Leonardo selbst einen, der in neuester Zeit so vielfach geübten Fütterungsversuche: „Ich machte mit einem Bohrer ein kleines Loch in einen Baum und goß in Weingeist gelösten Arsenik und Sublimat hinein, um seine Früchte giftig zu machen oder ihn auszutrocknen. Ferner beabsichtige ich die­ses Loch, während die Früchte reifen, bis an das Mark zu führen, und die erwähnte giftige Lösung mit einer Spritze hineinzutreiben. Dasselbe könnte man anstellen, wenn der Baum in Saft ist." Treffende Bemerkungen über den Ein­fluß der Jahreszeiten auf den Charakter der Landschaft geben Zeugniß von Leonardo's feiner Naturbetrachtung. Der Mysticismns, der damals noch die Alchemie umgab, scheint ihn von dieser Wissenschaft fern gehalten zu haben, und die Alchymisten nannte er gelegentlich „bugiardi interpreti“ der Natúrt). Doch mußte er als Kriegsingenieur die Pulver- fabrikation und die Bereitung von Zündstoffen kennen, als Erz­gießer mit den verschiedenen Gußsätzen bescheid wissen. Er ver­schmähte es übrigens auch nicht -seinen Schülern genaue Vor­schriften über die Mischung von Farben und haltbaren Firnissen zu geben und solche selbst zu bereiten. Wenigstens erzählt Vasari, Leonardo habe in Rom, wo er von Leo X. den Auf­trag für ein großes Gemälde erhalten hatte, mit dem Kochen von Firnissen begonnen, weshalb ihn der Papst mit den Wor­ten: „Der Mann taugt zu nichts," höchst ungnädig wieder ent­ließ. Leonardo war in dieser Richtung zu gefährlichen Ex­perimenten geneigt, die nicht immer glücklich ausfielen. Einem solchen Versuch, mit Oelfarben aus eine feuchte Mauer zu malen, wird der rasche Verfall des herrlichen Abendmahls im Kloster St. Maria delle Grazie zugeschrieben. Mehr noch als die Beschäftigung mit jenen Zweigen der Naturwissenschaften, die unmittelbar oder mittelbar das Gebiet 2* (497) 1

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