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Fritz Raab: Leonardo da Vinci als Naturforscher

6 wie Leonardo da Vinci, die Fortschritte der Industrie förderte. Die nothwendige Vorbildung aber zu den verschiedenen tech­nischen Fertigkeiten erhielt Leonardo ohne Zweifel in der Schule des Verocchio, und unter der steten Beschäftigung mit künst­lerischen und technischen Arbeiten entwickelte sich der Knabe zum Jüngling. Wie durch eine ungewöhnliche geistige Begabung kenn­zeichnete ihn die Natur durch eine einnehmende äußere Er­scheinung als ihren erwählten Liebling. Auf dem Selbstbildniß des Meisters, in der Blüthe des Mannesalters, sehen wir das dichtgelockte, dunkle Haar in urwüchsiger Fülle aus die breiten Schultern niederwallen und einen mächtigen, bis zur Brust herabfallenden, schwarzen Bart oas ovale, blasse Antlitz um­rahmen. Den würdevollen Ernst, der um die hohe Denker- stirne sich lagert, mildern ein paar seelenvolle, freundlich blickende Augen. Der geistvollen und liebenswürdigen Physiognomie entsprach eine edle Gestalt, und bei den Zeitgenossen galt Leonardo als der schönste Mann Italiens. Begabt mit einer ungewöhnlichen Körperstärke, that er es den Altersgenossen zu­vor als kühner Schwimmer, verwegener Reiter, eleganter Fech­ter und ausdauernder Tänzer. Anmuth und Kraft vereinten sich in seltener Weise in seiner Person. Mit derselben Hand, die über die Saiten gleitend, der Laute berauschende Töne ent­lockte, bog er ein Hufeisen wie einen Streifen Blei, mit der­selben Hand, welche die zarten Umrisse eines holden Frauen­antlitzes auf die Leinwand zauberte, bändigte er das wildeste ' Roß im schnellen Lauf. Sein offenes Wesen und seine an­genehmen Umgangsformen erschlossen ihm die geselligen Kreise von Florenz. Die Herzen der Frauen nahm er gefangen durch seine bezaubernde Erscheinung, seine poetische und musikalische Begabung, und nicht zum geringsten durch seine unermüdliche Tanzlust; den heiteren Gelagen der Freunde verlieh er durch anmuthiges Plaudern erhöhten Reiz^). So reiste Leonardo, (484)

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