Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)
Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen
87 vereint gefunden hat. Meistens erfolgt der Tod früher, ehe die characteristischen Symptome der Phlebitis sieh entwickelt haben. Von der combinirten Entzündung der Ovarien und der Lympligefässe gilt dasselbe, was bei Gelegenheit der Metrophlebitis darüber gesagt worden ist. §. 69. Die ausserhalb des Sexualapparates auftretenden Entzündungen betreffen vorzugsweise die Schleimhäute und die äussere Haut. Die Symptome, welche die Affection der Schleimhaut des Tubus alimentaris begleiten, weichen von den bei der Peritonitis geschilderten nicht wesentlich ab. Der Magen leidet bei Endometritis im Allgemeinen seltener; das Erbrechen fehlt entweder ganz, oder stellt sich erst gegen das Ende der Krankheit ein, ihm liegt in der Regel eine gallertartige, seltener schwarze Erweichung der Magenschleimhaut zum Grunde. Fast immer ist die Darmschlcimhaut ergriffen; dem Durchfalle gebt liier nur selten Verstopfung voran und der Leib bleibt weich und schmerzlos, ausser wenn zugleich der Peritonäal- überzug stark betheiligt ist. Die Schleimhaut der Respirationsorgane, welche bei den übrigen Formen des Kindbettficbers gewöhnlich frei bleibt, wird bei dieser Form sehr häufig der Sitz einer Entzündung. Diese ist bald primären, bald secundären Ursprunges, sie entwickelt sich bisweilen schon am ersten oder zweiten Tage der Krankheit. Sie ist in der Regel auf einen grösseren Theil einer Lunge verbreitet, befällt oft beide und beginnt meistens in den feineren Bronchien, von denen sie bis zur Trachea, ja selbst zum Larynx emporsteigt. Die Kranken klagen über Beklemmung und ein Gefühl von Brennen unter dem Sternum, sie athmen mühevoll, hastig und vorzugsweise mit dem Zwerchfelle und den Bauchmuskeln. Husten fehlt bei einiger Ausbreitung nie; er ist anfangs kurz, trocken und schmerzhaft, später findet eine reichliche Secretion mit starkem Auswurfe Statt. Die Sputa sind im Beginne dünn, schleimig, serös, bald aber werden sie consistenter, gallertartig oder eiterig, bisweilen mit häutigen Fetzen gemischt. Hat die Krankheit einen asthenischen Character, so sind sie übelriechend, selbst jauchig.