Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen

88 Die physikalischen Zeichen sind unveränderte Percussion und Rasselgeräusche verschiedener Art, anfangs trockener und fei­ner, später feuchter und gröber. Je schneller die Krankheit entsteht und je grösser die ergriffene Lungenparthie ist, um so leichter tritt Erstickungsgcfahr ein; die Beklemmung nimmt zu, Angst spiegelt sich in den Zügen, alle auxiliären Respi­rationsmuskeln sind in Thätigkeit, Lippen und Wangen bekommen eine bläuliche Färbung, die Extremitäten werden kühl, das Atli- men wird immer rasselnder und nicht selten endet der Kampf mit dem Tode. Die Affection der Trachea und des Larynx giebt sich durch Schmerzen in diesen Theilen und mehr oder minder aus­geprägte Aphonie kund. In einigen Epidemieen, z. B. in der zu Paris 1826 hat man förmliche Crouperscheinungen mit Bildung häutiger Concremento beobachtet; der tödtliche Aus­gang erfolgte hier oft innerhalb weniger Tage. Gesellt sich, was häufig der Fall ist, zu dem Leiden der Bronchien Pneu­monie, so wird die Percussion an der kranken Stelle matt, das vesiculäre Athmungsgeräusch geht verloren und bronchia­les Atlimen tritt ein; die Kranken klagen besonders beim Ein- athmen über lebhafte, stechende Schmerzen. Eine gleichzeitige Pleuritis oder Peritonitis steigert alle Zufälle, letztere, indem sie die Lungen comprimirt und die Thätigkeit des Zwerchfel­les und der Bauchmuskeln behindert oder aufheht. Auf der äusseren Haut zeigt sich das Leiden in Form einer erythematösen oder phlegmonösen Entzündung. Erstere ist in der Regel die Folge einer secundären Blutsentmischung und kommt oft gegen das Ende der Krankheit vor. An ver­schiedenen Theilen des Körpers, vorzugsweise an den Ellen­bogen, Fingern und Fusszehen erscheinen, bisweilen nach vor­hergehenden sauerriechenden Schweissen, grosse, unregelmäs­sig runde oder ovale, meist dunkelrothe, seltener hellrothc Flecken von der Grösse eines Silbergroschens bis zu der eines Thalers und darüber. Sie sind mehr oder weniger empfindlich, bleiben isolirt, oder breiten sich aus und fliessen zusammen; öfters verschwinden sie und kommen an anderen Stellen zum Vorschein. Sie geben in der Regel eine ungünstige Prognose, ln einzelnen Fällen hat man ein schmerzhaftes Erythem im Ge-

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