Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen

80 viel bedeutender, der Leib ist aufgetrieben und gespannt, die Percussion matt, Erbrechen und Durchfall gewöhnlich schon frühzeitig vorhanden. Der Verlauf ist meistens rasch und die Krankheit endet leicht tödtlich, ehe sich die eigentümlichen Folgeübel der Phlebitis entwickelt haben. Die secundäre Pe­ritonitis tritt später ein; sie ist entweder die Folge der Statt­gehabten Aufnahme von Eiter oder Jauche in die Blutmassc, oder sie entsteht per contiguum der Gewebe, wenn sich eine zumal septische Phlebitis bis auf die oberflächlich unter dem Peritonäum gelegenen Venen verbreitet hat. Mit ihrem Ein­tritte erheben sich heftige Schmerzen, Angst spiegelt sich in den Zügen des blassen, eingefallenen Gesichtes, der Leib treibt meteoristisch auf, ein grünspanfarbiges Erbrechen fehlt selten, oft besteht gleichzeitig profuse Diarrhoe. Die Untersuchung ermittelt den geschehenen Erguss. Gewöhnlich collabiren die Kranken sehr schnell und bisweilen ist schon nach wenigen Stunden das Leben erloschen. Im Gegensätze zur Peritonitis gesellt sich die Entzündung der Uterinschleimhaut am häufigsten zu den asthenischen For­men der Metrophlebitis. Sie erscheint in der Regel als septi­sche Endometritis schon im Beginne der Krankheit und ist öfter primärer als secundarer Natur. Die Involution des Uterus ist bei dieser Complication immer sehr gehemmt, er fühlt sich welk und schlaff an, die Lochien sind übelriechend, jauchig. Nicht sel­ten breitet sich die Affection auf die Schleimhaut der Vagina aus. Das Fieber nimmt immer bald einen typhösen Character an, wiederholte Frostanfälle treten dazwischen, die Zunge wird trocken, die Haut ist brennend heiss, ein stinkender, oft un­willkürlicher Durchfall stellt sich ein, die Kranken liegen in stillen Delirien oder dumpfer Betäubung dahin. Selten erfolgt Genesung. Die Entzündung der Ovarien ist zwar eine häufige Be- gleiterinn der Metrophlebitis, namentlich wenn die Affection sich auf die Venen derselben erstreckt, aber meist von geringer Bedeutung. Sie giebt sich kaum anders, als durch eine ört­liche Schmerzhaftigkeit zu erkennen. Die Entzündung der Lymphgcfässe des Uterus und der angrän- zenden Gebilde besteht ebenfalls sehr oft als ein primäres Leiden neben

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