Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - II. Anomale Formen

101 als bei der vorigen. Sie kommt besonders im Anfänge und gegen das Ende der Epidemiccn vor und ist bisweilen auf ei­nige Zimmer einer Anstalt beschränkt. Wenn sie ohne Com- pli cation, mit einem mehr stbenischen Chararacter aultritt, so erfolgt in der Hegel Genesung. Unter Nachlass des Fiebers, vermehrtem Schweissc und Urinabgange, Wiederkehr des Milch- und Lochienilusses, wenn diese unterdrückt waren, reinigen sich die Geschwüre; die Heilung derselben schreitet jedoch nur langsam vorwärts und gewöhnlich vergehen mehre Wochen bis zur vollständigen Vernarbung, nachdem das Fieber bereits aufgehört hat. Besass das Fieber dagegen gleich ursprüng­lich einen entschieden asthenischen Character, so gewinnen in der Hegel die typhösen Symptome immer mehr das Ueberge- wicht, die Kranken verfallen sehr bald in ein sclilummersüch- tiges Dclirircn und sterben soporös am 4. bis 6. Tage der Krankheit. In anderen Fällen gehen sie langsamer, oft erst in der 4. Woche an einer acuten Hectik zu Grunde, indem unter wiederholten Fieberexacerbationen immer neue Entzün­dungen an verschiedenen Theilen des Körpers entstehen, die sich schnell in putride, um sich greifende Geschwüre ver­wandeln. Durch Verbindung mit anderen Localailecten kann der angegebene Krankhcitsvcrlauf verschiedentlich modificirt wer­den. Nicht selten entwickeln sich mit dem ersten Eintritte des Fiebers die Zeichen einer gelinden Peritonitis oder Endometri­tis, diese verschwinden gegen den 3. Tag der Krankheit, während das Fieber sich steigert und die Entzündungserschei­nungen auf der llaut hervortreten. Bei der Section findet man in der Bauchhöhle und auf der Uterinschleimhaut gar keine oder nur undeutliche Spuren einer Stattgehabten Exsudation. Oder es gesellen sich die Symptome einer Peritonitis, Endo­metritis oder Phlebitis erst im Verlaufe der Krankheit hinzu und tragen dann nicht selten die Schuld des tödtlichen Aus­ganges. Oder die Hautentzündung ist mit einer Entzündung der Vaginal-, Darm - oder Bronchialschleimhaut combinirt; auch die gallertartige oder schwarze Erweichung des Magens hat man in einigen Fällen als Complication gesehen.

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