Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen

93 so detumescirt der Eierstock, indem das Exsudat resorbirt und durch die Secretionsorgane, gewöhnlich die Nieren, ausgeschieden wird. Ob eine Regeneration der zerstörten Keime Statt linden kann, wissen wir nicht; wenn nicht, ist Unfruchtbarkeit des betreffenden Eierstockes die Folge der Entzündung. In ande­ren Fällen wird das Exsudat nicht resorbirt und der Eier- stocksabsccss besteht fort, auch nachdem das Kindbottfieber als solches gehoben ist. So kann er längere Zeit mit verhältnissmässig geringen Beschwerden getragen werden, wenn er durch Ver­klebungen und Anlöthungen des Ovari ums an benachbarte Theile isolirt erhalten wird. Früher oder später kommt es jedoch zum Aufbruche und der Eiter entleert sich in den Darm­kanal, die Blase, die Scheide, oder durch die Bauchdecken nach aussen, oder es entsteht eine mehr oder minder ausgebreitete Peritonitis und Vereiterung des Beckenzellgewebes mit ihren Folgen. V. Kindb ettficber mit vorwaltendem Leiden der Lymphgefüsse des Uterus. Metrolymphangioitis puerperalis. §. 73. Die Entzündung der Lymphgefässe im Ivindbett- fieber hat erst seit nicht langer Zeit neben der Phlebitis den Blick der Aerzte auf sich gezogen. Sie kommt am häufigsten als Begleiterinn der Venenentzündung, seltener in den übrigen Formen des Kindbettfiebers vor und hat hier bald die Bedeu­tung einer primären, bald einer secundären Affection; sehr selten tritt sie als alleiniges Localleiden in dieser Krankheit auf. Sie nimmt wie die Phlebitis stets von den Gefässen des Uterus ihren Ausgang und verbreitet sich von hier aus auf die benachbarten Plexus hypogastrici, den Plexus lumbalis und die entsprechenden Drüsen, ja steigt bisweilen selbst bis in den Ductus thoracicus empor. Die Diagnose derselben ist wohl kaum jemals möglich, denn die localen Symptome werden in der Regel durch eine gleichzeitige Entzündung des Perito- näums, der Venen oder der Utcrinschleimhaut vollkommen ver­deckt und auch der übrige Verlauf der Krankheit bietet nichts

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