Grosse, Johannes dr.: Ignaz Philipp Semmelweis, der Entdecker der Ursache des Kindbett-Fiebers (Leipzig-Wien, 1898)
Dritter theil. Seine Anerkennung nach dem Tode
; Da Semmelweis in diesem Schreiben Ungarn als sein Vaterland bezeichnet, findet man in den „Comptes-Rendus et Mémoires“ des Congresses38) folgende redactionelle Bemerkung: „De cette lettre, il appert que, malgré l’origine allemande de sa famille, Semmelweis se considérait et se reconnaissait comme Hongrois et non pas comme Allemand. Par conséquent, l’opinion contraire exprimée par M. le Prof. Hu epp e dans la derniére phrase de son discours ci-avant („Zum Ruhme seines deutschen Volkes“), est une opinion tout-ä-fait personnelle á ce savant.“ „Le Rédacteur.“ Der betreffende Brief vom 27. November 1860 lautet aber in der von Prof. Dr. Julius Elischer im „Pester Lloyd“ gegebenen Uebersetzung folgendermaassen: Hochlöbliche Akademie! Die „Kindbettfieber“ genannte und von altersher gekannte Erkrankung hat im Laufe dieses Jahrhunderts stetig zunehmend die europäischen geburtshilflichen Anstalten und deren Inwohner überfallen; die jährliche Zahl der ihr zum Opfer gewordenen Mütter und Kinder zählt nach Tausenden. Durch die Gnade der göttlichen Vorsehung ist es mir, dem ergebenst Unterzeichneten, gelungen, den echten Charakter dieser bisher als Epidemie aufgefassten Erkrankung zu entdecken und auf Grund dieser meiner Entdeckung zugleich (was die Hauptsache) das Auftreten der Krankheit in dem Maasse zu verhüten, dass, während früher z. B. an der Wiener geburtshilflichen Abtheilung die durch das Kindbettfieber erzeugte Mortalität 31% betrug, sie nun überall dort, wo meine vorgeschlagenen prophylaktischen Maassregeln eingehalten werden, kaum 1% erreicht. Das Schicksal wollte es, dass ich diese Entdeckung (im Jahre 18471 machend, als Assistent der Wiener geburtshilflichen. Abtheilung, fern von meinem Vaterlande lebte. Dies der Grund, dass meine Entdeckung deutschen Fachgenossen zuerst vorgelegt wurde. Nach meiner Rückkehr in die Heimat habe ich nun meine Erfahrungen den ungarischen Fachmännern mitgetheilt, 51 M) Vergl. Tome I, p. 264.