Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen

Fremdkörper in den oberen Luftwegen. 189 Welchen Schaden die Intubation bei fixierten Fremdkörpern des Kehlkopfes anzurichten vermag, wird durch eine im nachstehenden dar­gelegte Beobachtung illustriert, in welchem Falle die Intubation wegen eines aspirierten Knochensplitters am Lande vorgenommen wurde und wo nicht daran gezweifelt werden kann, daß die forcierte Tubenein­führung in mancher Hinsicht dazu beitrug, daß sich nachträglich eine schwere Striktur des Kehlkopfes ausbildete, die uns schon seit Jahren zu schaffen gibt. S. Cz., 4y2 Jahre alt. Aufgenommen am 7. Juli 1902. Am 25. April 1902 verschluckte er ein Huhnbeinchen und litt eine Woche lang an Erstickungsanfällen, bis er am 3. Mai in ein Provinzspital kam, wo nach wiederholten Intubationsversuchen endlich am 6. Mai der Knochen gelegentlich einer Extubation in die untere Tuben­öffnung eingekeilt, entfernt wurde. Darauf war wegen der erschwerten Atmung wieder die Intubation notwendig; am 8. Mai nahm man, nachdem ein Atmen ohne Tube unmöglich war, die sekundäre Tracheotomie vor. Später wurde das Dekanüle- ment versucht, ohne Kanüle konnte der Kranke jedoch bloß wenige Minuten lang erträglich atmen. Auf diese Weise wurde der Kranke aus der Provinz in das Spital überführt. Gut entwickelt und ernährt. Am Skelett Spuren von überstandener Rachitis. Mit Ausnahme von Kehlkopf und Luftröhre sämtliche Organe gesund. Laryngoskopische Untersuchung kaum durchführbar, nur der Kehlkopfeingang ist zu sehen und der läßt nichts Außergewöhnliches erkennen. Eine Tubeneinführung gelingt nicht, weil die Tube unter den Stimmbändern stecken bleibt und nicht weiter­geführt werden kann, deshalb wird am 29. Juli 1902 in Chloroformnarkose der blutige Eingriff vorgenommen (Doz. Winternitz); nach vorheriger Laryngofission wurde die Narbe durchtrennt, excidiert und an ihrer Stelle die Transplantation nach Thiersch bewerkstelligt. Die transplantierten Läppchen hafteten jedoch nicht an, weil der Kranke beim Reden stets Luft unter dieselben einpreßte, wodurch die Läppchen sich blasenförmig von der Wand abhoben. Am 4. August wurde neuerlich ein Lappen übertragen und am 15. August konnte festgestellt werden, daß am oberen Ende des Kanals dauernder Ersatz ge­schaffen war. Am 20. August wird er mit der seinem Alter entsprechenden Tube intubiert und Tube sowie Kanüle bleiben liegen. Am 27. August wurde die Kanüle entfernt und bloß die Tube belassen. Mit liegender Tube atmet er gut; zeitweise extubierten wir versuchsweise, die Entfernung der Tube vertrug er jedoch nur für Sekunden. Hierauf atmet er lange Zeit, fast anderthalb Jahre hindurch sozusagen ununter­brochen durch die Tube, — in häufigen Intervallen wird immer wieder die Extubation versucht, doch umsonst, ohne Tube hält es der Kranke zumeist nur Minuten, aus­nahmsweise 1—2 Stunden lang aus; aus diesem Grunde wird am 9. Januar 1904 die untere Tracheotomie vorgenommen, um den Kehlkopf für eine Zeitlang ruhen zu lassen. Bei einem am 17. Januar vorgenommenen Intubationsversuche kann selbst die kleinste Tube nicht eingeführt werden. Am 7. Februar 1904 Operation in Chloroformnarkose (Doz. Winternitz): Resectio laryngis. Schiefe Lage, hängender Kopf. Durch einen Längeschnitt wird die vordere Wand des Kehlkopfes bloßgelegt und die mit Granulationen gefüllte Tracheotomiefistel Umschnitten, deren obere Wand gespaltet und die Granulationen mit dem Löffel entfernt. An Stelle der vorderen Kante des Thyreoidknorpels eine ca. 4 mm betragende Diastase, die von einer zähen Narbe ausgefüllt ist. Die Zurecht­findung ist auch deshalb erschwert, hauptsächlich jedoch zufolge der durch Cyanose wachgehaltenen diffusen Blutung. Durch einen Einstich in der Gegend des oberen Schildknorpelteiles sucht man das Kehlkopflumen oberhalb des Verschlusses zu er­reichen. Nachdem dies gelang, wird der Kehlkopf rasch cocainisiert, hierauf nach unten vorgegangen und das den unteren Kehlkopfteil ausfüllende Narbengevi ebe bis zur unteren Tracheotomiewunde durchschnitten, wo bereits die normale, doch

Next

/
Oldalképek
Tartalom