Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen

Erschwertes Dekanulement. 18B anderen konnte ich zum größten Teile durch Granulationsstenose ver­ursachte Dekanülementsschwierigkeiten durch die sekundäre Intubation ziemlich leicht bewältigen. Der letztere Fall verdient auch deshalb be­sonderes Interesse, weil er ein 1 jähriges Kind betrifft. Die beiden Fälle sind im Auszug folgende: 1. A. K., 9 jähriges Mädchen, aufgenommen am 27. August 1896. Vor 6 Jahren wurde bei dem Mädchen wegen Larynxdiphtherie in der Provinz die Tracheotomie gemacht; wegen erschwerten Dekanulements trägt das Kind seither beständig die Kanüle. Dem Spitale wurde es behufs endlicher Vornahme des Dekanülements überwiesen. Das Mädchen ist gut entwickelt und genährt. Durch die Trachealöffnung atmet es gut, bei verstopfter, gefensterter Kanüle atmet es ganz gut durch den Mund und kann laut und vernehmbar sprechen. Am 5. September wird behufs Dekanülements die Intubation vorgenommen, welche ohne größere Schwierigkeit gelingt. Nach 24 Stunden Extubation und Wiedereinführung der Kanüle. Am 15. September wird die tracheale Fistel bei vorheriger Intubation nach Ausschneidung der narbigen Wundränder mit Karlsbader Nadeln zusammengezogen und vernäht. Am 17. Ex­tubation, die jedoch bloß eine Viertelstunde lang ver­tragen wird. Am 20. duldet das Kind den Extubationsversuch einige Minuten lang, am 24. 3/4 Stunden, am 26. 1 Stunde lang. Hierauf wird jeden dritten Tag ein neuer Ex­tubationsversuch vorgenommen, der aber stets nur für %—y2 Stunde geduldet wird. Am 9. Oktober kann das Kind von %9 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends, am 12. von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends ohne Tube bleiben. Am 15. Oktober wird neuerlich extubiert, und obwohl die Atmung zeitweise stenotisch wird, bleibt das Kind bis zum 3. November, also 19 Tage hindurch, bei erträglicher Atmung ohne Tube. Die Spiegeluntersuchung läßt an jenem Tage (3. November) unter dem dritten bis vierten Trachealringe ein von der vorderen Wand ausgehendes sensenförmiges, rötlich schimmerndes, narbiges Gebilde erkennen (Fig. 101). Die Tube ist nur schwer durch die tracheale Verengerung zu bringen. Am 7. November neuerlicher Extu­bationsversuch, nach einer Stunde ist die Stenose jedoch schon so ansehnlich, daß die Tubeneinführung dringend geboten erscheint. Am 12. November neuerlich ein- stündige Extubation; vom 18. bis 21. atmet das Kind ohne Tube, desgleichen ver­bleibt es vom 5. bis 23. Dezember, also 18 Tage hindurch, stets in extubiertem Zu­stande. Am 23. gelingt die Tubeneinführung nur mit einiger Gewalt, das Hindernis im Niveau des dritten bis vierten Trachealringes ist gut zu fühlen. Am 25. Dezember kommt am Halse links von der trachealen Narbe ein Absceß zur Ausbildung, der nach einigen Tagen eröffnet wird. Am 26. wird die Tube ausgehustet, worauf das Kind bis zum 13. Januar, also 18 Tage hindurch, ohne Tube atmet. Am 18. Januar neuerliche Extubation, die bis zum 7. Februar, also 20 Tage hindurch andauert. Seit 9. Februar kann die Tube endgültig wegbleiben; die Atmung ist ruhig, nur bei Erregungen etwas sägend. Bei der laryngoskopischen Untersuchung ist das oben bezeichnete sensenförmige Gebüde nicht mehr zu sehen. Am 8. April wird das Kind, — von seiner 6 Jahre hindurch ständig getragenen Kanüle endgültig befreit, mit vollkommen freier Atmung und anstandslosem Befinden — geheilt entlassen. Zeitdauer der Tubenlage 1448 Stunden oder 60 y3 Tage. An Stelle der trachealen Fistel eine lineare Narbe. Auf Grund eingeholter Verständigung konstatiere ich, daß sich bei dem Mädchen seither keinerlei Atmungsbeschwerden mehr zeigten und die Gesundheit des Kindes nichts zu wünschen übrig läßt. 2. D. B., 1 jähriger Knabe, wird wegen sehr schwerer Larynxdiphtherie in- tubiert. Bei Serumbehandlung ist der Verlauf der Diphtherie günstig, während der Intubation entwickelt sich jedoch ein Druckgeschwür des Kehlkopfes, weshalb am 12. April die Tracheotomie notwendig wird. Am 21. wird eine gefensterte Kaut­Fig. 101.

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