Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen

schukkanüle eingelegt und seit dem 29. wird bei Entfernung der inneren Kanüle die äußere Öffnung von Zeit zu Zeit verschlossen. Bei mit einem soliden Pfropfen verschlossener Kanüle atmet das Kind durch den Mund schwer, bei durchbohrtem Pfropfen aber ziemlich leicht. Am 29. gehen beim Kanülewechsel durch die Wunde größere Granulationsmassen ab. Hierauf mehrfache Dekanülementsversuche ohne Erfolg. Am 18. Mai ein Dekanülementsversuch mit Hilfe der Intubation, am 20. Extubation, die % Stunden hindurch vertragen wird. Am 21. neuerliche Ex- tubation, doch schon nach 1/2 Stunde wird zufolge plötzlicher Asphyxie die Re- intubation dringend notwendig. Am 23. atmet es 6 Stunden lang ohne Tube er­träglich ; am 24. neuerliche Extubation, doch nur für einige Minuten, weil die alsbald stark stenotische Atmung die Reintubation gebietet. Am 25. nachmittags um 2 Uhr endgültige Extubation. Anfangs ist die Atmung ganz ruhig, wird gegen Abend hörbar, in der Nacht während des Schlafes aber wieder frei. In den nächsten Tagen ist die Atmung beim Weinen zuweilen noch etwas lauter, alsbald verschwinden jedoch auch diese pathologischen Erscheinungen endgültig. Die Heilung ist eine voll­kommene und ständige; die Stimme nur zeitweise etwas verschleiert. Die Kanüle wurde vom Kinde insgesamt 36 Tage lang getragen, im Laufe der zwecks Dekanülements vorgenommenen Intubationen war die Tube etwa 160 Stunden hindurch gelegen. Daß zuweilen auch in den verzweifeltesten Fällen von im Laufe des Kanülentragens ausgebildeter Granulationsstenose ein ganzer Erfolg von dem O'Dwyer sehen Intubationsverfahren gehofft werden kann, zeigt der Fall von Ranke (1890), wo Laryngofission und blutige Entfernung der Granulome keinen Erfolg auf weisen konnten, während die nach dem Neu­erscheinen der Granulationen in Angriff genommenen und 2 Monate hin­durch fortgesetzten methodischen Intubationen den 5 jährigen Knaben von seiner fast 10 Monate lang getragenen Trachealkanüle engdültig befreiten. Daß die Angst vor dem Dekanülement als ein der endgültigen Kanülen­entfernung im Wege stehendes Hindernis, durch sekundäre Intubation nicht selten erstaunlich leicht und in verhältnismäßig kurzer Zeit bekämpft werden kann, haben außer Garniert auch andere mit Genugtuung kon­statieren können, — daß jedoch dieses psychische Hindernis in einzelnen Ausnahmefällen selbst durch die sekundäre Intubation nur schwer zu be­heben ist, will ich durch die auszugsweise Schilderung eines von mir vor nicht zu langer Zeit beobachteten Falles illustrieren, wobei ich bemerken muß, daß ich es nicht für ausgeschlossen halte, daß in diesem Falle teil­weise, allerdings bloß teilweise, auch eine andere Ursache (Granulationen?) mit im Spiele gewesen sein mag, daß die Intubation erst nach langwieriger Anwendung zum Ziele führte. Karl Sz. wird am 26. August 1906 während des Genusses einer Melone plötzlich cyanotisch. St. pr. Mäßige Cyanose, erschwerte Atmung, beim Husten ist ein Ventil­geräusch zu hören. Bei der sofort vorgenommenen Tracheotomie geht der Fremd­körper (Melonenkern) durch die Tracheotomiewunde ab. Am 29. tritt nach Entfernung der Kanüle Cyanose auf; die Kanüle wird wieder eingelegt. Bis zinn 6. September dreimaliger Dekanülementversuch, ohne Erfolg. Am 6. vormittags 10 Uhr Intubation. Bei verweilender Tube freies Atmen. Am 8. Extubation, nach einer Viertelstunde- dringende Reintubation. Tracheo­tomiewunde in Ordnung. Am 10. wieder Extubation; nach 15 Minuten tritt plötzlich Cyanose auf, weshalb aufs neue intubiert werden muß. Am 12. Extubation; die Atmung ohne Tube ist bloß 15Minuten lang erträglich. Am 14. Extubation. Zwei Stunden hindurch vollkommen freies Atmen. Vorher wurde subcutan 3 mg Morphin eingespritzt. 184 Über den Wert der Intubation bei sonstigen Stenosen.

Next

/
Oldalképek
Tartalom