Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen

182 Über den Wert der Intubation bei sonstigen Stenosen. 4. Kapitel. Erschwertes Dekanülement. Der Wert des O'Dwyersehen Verfahrens beim erschwerten Dekanüle­ment wurde zuerst von Ranke im Jahre 1890 in seinem gehaltvollen Artikel der Henoch sehen Festschrift eingehend beleuchtet. In dieser Arbeit führt uns der Autor alle Eventualitäten vor Augen (Granulationsstenose, narbige Verengerung, Chor ditis inferior, Stimmbänderläh­mung, Inaktivitätsparese, Furcht vor dem Dekanülement), wo die verhinderte endgültige Entfernung der Kanüle im Wege der In­tubation dennoch erreicht wrerden kann, und die Mitteilungen, welche in dieser Hinsicht in der Weltliteratur vorliegen (Anderson, Annandale, Bodea, Chiari, Cholmeley, Clarke, Eklund, Ferroud, Folger, Gampert, Graser, Guy er, Illberg, Killian, Massei, O'1 Dwyer, Pitts und Brook, Rosen­berg, Schmiegeloiv, Sippel, Waxham u. a.), bezeugen ausnahmslos den hohen praktischen Wert des Intubationsverfahrens in den betreffenden Fällen. Ich kann es aus eigener Erfahrung behaupten, daß ich vor der Intubationsperiode stets mit einer gewissen Scheu daran ging, das tracheotomisierte Kind von seiner Kanüle zu befreien, währenddem ich heute, wo ich fast bei jedem Tracheotomiefalle die beabsichtigte end­gültige Enfernung der Kanüle mittels sekundärer Intubation vornehme, das Dekanülement glatt und ruhig besorgen kann. Unter all den Fällen, die nach literarischen Mitteilungen Bezug auf den in Frage stehenden Gegenstand haben, sind die Beobachtungen von Pitts und Brook von besonderem Interesse, weil die genannten Autoren zwei solche seltene Fälle aus ihrer Praxis beschreiben, wo die Kanüle von den Kindern drei bzw. fünf Jahre hindurch ständig getragen wurde, und trotz dieses außergewöhnlich langen Zeitraumes konnte die endliche Entfernung der Kanüle durch das Intubationsverfahren durchgeführt werden. Wieviel die gesamte Zeitdauer der Tubenlage in dem einen und anderen Falle betragen hat, darüber weiß ich leider nichts zu melden, es ist mir nur so viel bekannt, daß die Intubation längere Zeit hindurch ausgeübt wurde, bis man endlich ans Ziel gelangte und die vollkommene Heilung erfolgte. In anderer Beziehung lehrreich ist der Bericht von Gampert. Der Autor beschreibt nämlich zwei Fälle, bei denen das beabsichtigte end­gültige Dekanülement stets von einem spastischen Dyspnoeanfalle gefolgt und vereitelt wurde; in dem einen Falle konnte die dreißig Tage hin­durch gelegene Kanüle durch eine unausgesetzte Tubenlage von dreißig Stunden entbehrlich gemacht werden, währenddem im anderen Falle ein 29stündiges Verweilen der Tube genügte, um ein Kind von seiner sieben Monate lang getragenen Kanüle endgültig zu befreien. Aus meiner eigenen Praxis möchte ich im nachstehenden die Beschrei­bung zweier interessanter Beobachtungen folgen lassen; in dem einen Falle habe ich die endgültige Entfernung einer sechs Jahre hindurch getragenen Kanüle durch das O'Dwyer sehe Verfahren erreicht (dieser Fall übertrifft daher sogar die obige Beobachtung von Pitts und Brook), im

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