Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen

180 Über den Wert der Intubation bei sonstigen Stenosen. 3. Kapitel. Laryngitis subglottica chronica hypertrophica und Scleroma laryngis. Die Anwendung des O'Dwyer sehen Verfahrens bei der Laryngitis subglottica chronica hypertrophica und bei Scleroma laryngis kann sich bislang bloß auf spärliche literarische Angaben stützen, trotzdem der verdienstvolle Kollege, v. Ranke, die Aufmerksamkeit der Ärzte schon im Jahre 1892 in den Henoch sehen „Festschriften“ auf diese Indikation des Intubationsverfahrens lenkte. In der diesbezüglichen Literatur finden wir kaum einige kasuistischen Berichte (Chiari, Flatau, Rosenberg, Massei), trotzdem Bonain im Jahre 1902 in seiner Monographie über die Intubation die hohe praktische Bedeutung des Verfahrens bei diesen Fällen aufs neue hervorhob und mit Recht betont, daß man durch Einführung von Tuben, gegenüber dem Schröttersehen Verfahren, nicht allein erweitert, sondern auch eine ständige Kompression auf die infiltrierten Ge­webe ausübt, aus welchem Grunde das Verfahren im gegebenen Falle vorteilhafter als die Schrötter sehe Methode sein mag. Eine diesbezügliche bemerkenswerte Beobachtung unseres Spitals er­schien schon im Jahre 1893 aus der Feder des Dozenten E. Baumgarten, welchen Falles ich auch im Jahre 1897 gelegentlich des Moskauer inter­nationalen Ärztekongresses von neuem gedachte. Der Fall, bei dem ich bei Laryng. subglottica chron. hypertrophica ohne vorher­gegangene Tracheotomie die methodische Erweiterung durch O'Dwyer sehe Tuben besorgte, ist kurz zusammengefaßt folgender: G. B., 12jähriger Knabe, wird am 22. November in das Kinderspital aufge- nommen. Seit 2 Monaten Heiserkeit und Atmungsbeseh werden. Die Hautdecke des mäßig entwickelten Knaben ist blaß, die Schleimhäute von mittlerem Blutgehalte. Innere Organe ohne pathologischen Befund. Stimme etwas verschleiert, die Atmung, sowohl beim In- wie beim Exspirium, erschwert. Laryngoskopischer Befund: Mäßige Hypertrophie der Tonsillen. Kehlkopf normal, bei Phonation fällt ‘eine geringgradige Parese auf. Bei tiefer Inspiration sind unmittelbar unter den Stimmbändern zwei rosige, von normaler Schleimhaut bedeckte, halbkugelförmige Höcker wahrzunehmen und ein gleicher nur kleinerer dritter fällt unter der interarytänoidealen Falte auf. Die Erhöhungen verengen Kehlkopf und Luftröhre bis auf eine dreieckige Spalte. Die Basis des Dreiecks ist durch die interarytänoideale Falte, die Spitze durch die vor­dere Commissur gegeben. Der Durchmesser der Spalte beträgt an der Basis 6 mm, gegen die Kehlkopfmitte, wo die Höcker am meisten hineinragen, 4 mm. Im Nasen- und Rachenraume keine Veränderung. Diagnose: La­ryngitis hypertrophica chronica subglottica, sive Chorditis vocalis inferior chronica (Fig. 97). Der Knabe wurde vom Laryngologen Baumgarten mit den Schrötter sehen Röhren behandelt, dieselben wurden jedoch kaum 2—3 Minuten lang vertragen, weil das Sekret der Luftröhre das Lumen der Röhren bald verlegte. Am 13. Dezember 1891 stieg die Temperatur abends bis 38,0° C an, die Atmung ward erschwerter, es bestand starker Husten. Am 14. Frühtemperatur 38,2“ C, in den Nachmittagsstunden werden die Lippen cyanotisch und die Atmungsbeschwer­den nehmen in dem Maße zu, daß eine je frühere operative Abhilfe geboten erscheint. Auf Empfehlung von O’ Dwyer und Ranke führte ich nicht den Luftröhrenschnitt aus, sondern bevorzugte das Intubationsverfahren. Die Tubeneinführung hatte die Fig. 97.

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