Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen

172 bei gewissen Stenosen auch weiterhin das einzig richtige Verfahren zur Bekämpfung der Atmungsschwierigkeiten bleiben wird, ist nur natürlich, und mit Recht betont Massei in den Schlußzeilen seiner zitierten Mono­graphie: Wer das O'Dwyer sehe Verfahren um jeden Preis zur Panazee aller Stenosenformen der oberen Luftwege erheben will, der schadet nur dem Kredit des Verfahrens. Über den Wert der Intubation bei sonstigen Stenosen. 1. Kapitel. Luetische Kehlkopfverengerungen. O' Dwyer unternahm schon im Dezember 1885, also zu Beginn seiner Intubationspraxis, den ersten Intubationsversuch in einem Falle von luetischer Stenose, und diesem Versuche sollte in der Geschichte der In­tubation historische Bedeutung beigemessen werden, weil er durch den­selben der Intubation in die operative Behandlung der chronischen Ste­nosen und gleichzeitig in die Erwachsenenpraxis Eingang verschaffte. In dem betreffenden Falle handelte es sich um eine an tertiärer Syphilis leidende Patientin, bei der die Stenose langsam, 2 Jahre hindurch, zur Entwicklung gelangte. Damals konstruierte 0'Dwyer seine für Erwachsene bestimmte Tubenserie. Zum ersten Male konnte er bloß die größte Kinder­tube durch das Hindernis bringen, nach wenigen Tagen konnten jedoch schon stets größere und größere Tuben eingeführt werden und im Laufe einer 15 Monate hindurch konsequent fortgeführten Behandlung hatte er es so weit gebracht, daß die Narbe keine Schrumpfungstendenz mehr zeigte und die Kranke heilte, insofern die Stenose innerhalb 5 Jahren nicht wieder auf trat. George M. Lefferts, der Freund und Mitarbeiter O'Dwyers, schilderte im Jahre 1890 zu New York bereits auf Grund einer verhältnismäßig größeren Anzahl von Fällen den günstigen Einfluß der Intubation bei den luetischen Stenosen der verschiedensten Art (Medical Record. Oct. 4), und seit jener wertvollen Mitteilung des Autors häufen sich die Berichte (Simpson, Valdo, Cheatham, John O'Roe, Massei, Rosenberg, Bonain, Gautier, Arnold, Garei, Petrucci, Sargnon, Baumgarten usw.), welche durch­wegs die besondere Bewährtheit des O'Dwyer sehen Verfahrens bei Strik- turen luetischen Ursprungs demonstrieren. Lefferts erwartet, wie aus seiner soeben erwähnten bahnbrechenden Arbeit hervorgeht, in folgenden Fällen eine günstige Beeinflussung der luetischen Striktur durch Intubation: 1. Bei akuten syphilitischen Kehlkopfstenosen wird die Dyspnoe so­fort behoben, weil durch die Tube eine entsprechende Passage geschaffen ist. 2. Der länger währende, oder sich steigernde, oder nach besonderer Richtung gelenkte Tubendruck fördert und beschleunigt die Resorption des akuten entzündlichen Exsudats luetischen Ursprungs und erweitert die durch Verdickung bzw. Verschwielung der Gewebe verursachte Stenose. 3. Die Tubeneinführung und Tubenlage hat eine gewaltsame Er­weiterung und ständige Ausdehnung der dünnen und noch nicht lange bestehenden membránosén oder bandförmigen Narben zur Folge.

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