Inventare Teil 9. Inventar des Verkehrsarchivs in Wien (1959)

Die Bestände des Verkehrsarchivs: - A. Selekte und Gesamtregistraturen von Hofstellen und Ministerien

45 nicht den exponierten unterstellten Dienststellen übertragen worden waren. Der ministeriellen Entscheidung waren im Baudienst nur wenige grundsätz­liche Fragen Vorbehalten, so z. B. die Vergebung von Arbeiten in der Höhe von mehr als 300.000 Kr. und die Genehmigung der Schlußabrechnung; in personellen Verfügungen hingegen entsprach der Wirkungskreis nur dem­jenigen der Staatsbahndirektionen. Von allem Anfang an führte auch die Eisenbahnbaudirektion den Bau von Lokalbahnen auf Rechnung der Eigen­tümer, allgemeine Trassierungsarbeiten und sonstige technische Studien aus. Dieser Umstand gab den Anlaß, die Eisenbahnbaudirektion auch nach Voll­endung des großen Eisenbahnbauprogrammes nicht aufzulösen, sondern — in allerdings eingeschränktem Rahmen — weiterbestehen zu lassen. Nachdem bereits seit dem Jahre 1908 schrittweise verschiedene Abteilungen aufge­löst worden waren, umfaßte diese Dienststelle seit dem Jahre 1911 bei Unter­stellung unter die technischen Sektionen des Ministeriums nur mehr drei Abteilungen (administrative, technische und elektrotechnische Angelegen­heiten). Nach dem Zusammenbruch wurde die Eisenbahnbaudirektion schließ­lich mit Wirkung vom 28. II. 1919 durch das Staatsamt für Verkehrswesen aufgelöst (Präs. ZI. 288, v. 14. 2.), ein Teil der Agenden wurde von dem gleich­zeitig neuerrichteten Elektrisierungsamt der Deutschösterreichischen Staats­bahnen übernommen. Von exponierten unterstellten Dienststellen bestanden im Oktober 1918 nur mehr eine Eisenbahnbauleitung in Spalato und eine Trassierungsabteilung in Zara. Zum ersten Baudirektor wurde der um das heimische Eisenbahnwesen so hochverdiente Ingenieur Karl Wurmb bestellt, nach seinem frühzeitigen, durch unverdiente Angriffe im Abgeordnetenhaus wegen Kostenüberschrei­tungen beim Bau der Alpenbahnen veranlaßten Ausscheiden aus dem Staats­dienst wurde sein Stellvertreter, Ing. Anton Millemoth, mit der Leitung der Eisenbahnbaudirektion betraut; nach der Neuorganisation im Jahre 1911 stand der zeitweilig gar nicht besetzte Vorstandsposten nur mehr im Hofrats­rang. Beim Bau der Alpenbahnen gab es große technische Schwierigkeiten bei verschiedenen Tunnelbauten zu überwinden; von anderen hervorragenden Kunstbauten ist in erster Linie die während des Ersten Weltkrieges zerstörte Salcanobrücke bei Görz — die weitgespannteste steinerne Eisenbahnbrücke der Welt — zu erwähnen. Die bemerkenswertesten von der Eisenbahnbau­direktion ausgeführten Lokalbahnen sind die Linien: Trient—Male (die erste vom Staat gebaute elektrische Bahn), Meran—Mals und Krems—Grein. Große Verdienste erwarben sich die Ingenieure der Eisenbahnbaudirektion um die Ausarbeitung der Grundlagen für den elektrischen Vollbahnbetrieb der Staatsbahnen, wobei sogar für die Arlbergbahn, Salzkammergutlinie und die Steilrampe Triest—Opcina die Detailprojekte ausgearbeitet wurden. In diesem Zusammenhang erfolgte auch die erste systematische Untersuchung der Alpengewässer auf ihre Verwertbarkeit zur Erzeugung elektrischer Energie. Diese Studien bildeten nach dem Jahre 1909 den Hauptaufgabenkreis der Eisenbahnbaudirektion.

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