Inventare Teil 5. Band 7. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Belgien, von Oskar Schmid

I. Einleitung. Die Abteilung Belgien des StA. ist ein Bestand, der durch seine wech­selvollen Schicksale, durch Übersiedlung, Flüchtung und Rückkehr, dann nicht zuletzt durch unsystematische Archivalienauslieferungen, die sich in den Jahren 1856—1875 unter dem Titel eines Austausches vollzogen, und durch unsachkundige, nicht zu Ende geführte Ordnungsarbeiten hart mit­genommen worden ist. Die an sich schon äußerst komplizierte Gliederung dieser Abteilung hat dadurch so schwer gelitten, daß die Teile, welche unserem Archiv erhalten gebliehen sind, keinen geschlossenen Bestand mehr darstellen. Abgesehen davon, daß so manches als verlorengegangen angesehen werden muß, sind vielfach Ergänzungen im Haag, in Luxem­burg, Lille1 und Nancy, vor allem aber in Brüssel und an anderen Orten Belgiens zu suchen. Auch von dieser Abteilung gilt das im Bd. I S. 157* und 158* und Bd. Ill S. 137 Gesagte. Wir können bei den dem StA. verbliebenen belgischen Beständen drei Gruppen unterscheiden: 1. die Niederländischen Urkunden (AB. 190—192, 402—404, unten S. 82 ff.), 2. Bruchteile der Registraturen Karls Y. und der Statthalterinnen Margarete und Maria sowie des Erzherzogs Albert und der Erzherzogin Isabella und anderer Registraturen aus der Zeit der spanischen Herrschaft in den Niederlanden (Repertorium P,1 2 AB. 195, unten S. 90 ff.) 1 Karl Brandi, Berichte und Studien zur Geschichte Karls V., IV, in: Nachrichten von der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, phil.-hist. Klasse, 1931, S. 248. 2 In der ersten Hälfte und um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Urkunden­repertorien mit fortlaufenden römischen Ziffern, die Aktenrepertorien mit fortlaufenden römischen Großbuchstaben (vgl. Bd. I S. 169, 173, AB. 16, 17) bezeichnet. So wie bei den Urkunden wurde auch bei einzelnen Aktenabteilungen diese Bezeichnung überdies zur Kennzeichnung des ganzen Archivbestandes verwendet. Da die ersten Repertorien der belgischen Abteilung (AB. 195, 196) in der Reihe der Repertorien die Signaturen P und DD erhielten, so werden auch die in ihnen verzeichneten Bestände als Repertorium P und DD bezeichnet. „Repertorium P (DD)“ bedeutet also bald den betreffenden Archivbehelf (195,196), bald den ganzen in diesem verzeichneten Bestand. In den folgenden Ausführungen wird der hier behandelte Archivalienbestand als Repertorium P (DD) bezeichnet, um die langatmige Aufzählung der darin enthaltenen Archivsplitter nicht stets wiederholen zu müssen. Wo es sich um den Repertorium P (DD) genannten Archivbehelf handelt, wird die Bezeichnung AB. 195 (196) beigesetzt. Zu betonen ist neuerdings, daß die uns für die belgische Abteilung zur Verfügung stehenden Archivbehelfe für den praktischen Ge­brauch mit wenigen Ausnahmen von untergeordnetem Wert sind (vgl. Bd. I S. 171 ff.). Auch sind die Grenzen zwischen den Beständen der Repertorien P und DD nicht immer fest gezogen. So gelangten einige Bestände aus dem Repertorium P in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und auch später, als Folge des österreichisch-belgischen Archivalien­austauschgeschäftes, in die Abteilung Repertorium DD (AB. 196) Fasz. 231—239,243,245, 247. Die Erfassung dieser Registraturen wird durch die bahnbrechenden Untersuchungen Karl Brandis sehr erleichtert. Von den von Karl Brandi verfaßten Berichten und Studien zur Geschichte Karls V. (vgl. auch Bd. I, Einleitung S. 201* Anm. 3) kommen in Be­tracht: I. Die politische Korrespondenz Karls V. Alte und neue Editionspläne, in: Nach­richten von der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, phil.-hist. Klasse, 1930, Inventare des Wiener Haas-, Hof- und Staatsarchivs, Bd. 7. 6

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