Inventare Teil 5. Band 7. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)
Belgien, von Oskar Schmid
348 Belgien. erbieten, die in seinem Besitz befindlichen genealogischen Bücher und Schriften nebst solchen, die ihm in Zukunft etwa noch zufallen sollten, gegen lebenslängliche Benützung aller dieser Materialien und der Werke der Bibliothéque héraldique sogleich der Statthalterschaft als Geschenk zu überlassen. Beydaels erhielt damals diese Stelle und allem Anschein nach gelang es ihm, die einigermaßen im Abstieg begriffene Chambre héraldique wieder zu beleben, das Amt auszugestalten und die Materialien seines Bureaus durch allerlei Spenden, durch Erwerbung von Werken aufgehobener Klöster, durch handschriftliche Aufzeichnungen, durch Sammeln von Materialien mit Hilfe von Geldmitteln, die durch eingehobene Beträge zuflossen, zu vermehren.1 Der Geschäftsgang in der Kanzlei vollzog sich vermutlich folgendermaßen: Die Zertifikate des Wappenkönigs wurden in feierlicher Form von Diplomen — an die Spitze wurde der Titel des Wappenkönigs mit allen seinen Würden gesetzt — ausgefertigt und den Parteien eingehändigt. Dergleichen Originalausfertigungen liegen hier nicht vor. Vor der Übergabe an die Parteien mußten sie von den Notaren und Schreibern der Chambre héraldique in ein Kopialbuch eingetragen und kollationiert werden.1 2 * * * * * 8 Diese Kopialbücher bildeten neben sonstigen Materialien, wie Abschriften von Diplomen, Auszügen aus allerlei Registern, Notizen, älteren Druckwerken und auch Originalurkunden, das Archiv der Chambre héral1 Schon im Jahre 1781 (Calendrier 1781, S. 81) macht sich eine Vergrößerung der „Chambre héraldique des Pays-Bas et Bourgogne“ bemerkbar. Sie amtiert noch immer bei dem ersten Wappenkönig — es ist noch Jaerens als solcher angeführt — in der Eue Lombard. Die Anzahl der untergeordneten Wappenkönige hat schon eine Vermehrung erfahren. Als Wappenkönige der Provinzen werden angeführt: ein Jaerens (für Brabant), de Quertemont (für Hecheln), Labineau (für Flandern), O’Kelly (für den Hennegau), Beydaels (für Luxemburg) und de Hesdin (für Namur). Außerdem finden wir noch drei Avocats d’Office (darunter allerdings nochmals Quertemont und O’Kelly) sowie einen Procureur d’Office verzeichnet. — Nachdem Beydaels die Stelle eines ersten Wappenkönigs übernommen hatte (Calendrier 1783, S. 114, 115), vollzog sich eine weitere Ausgestaltung dieses Amtes. Nebst sieben untergeordneten Wappenkönigen (die Stelle für Geldern bleibt bis zum Jahre 1792 vakant) begegnen wir je einem Secrétaire, Greffier, Agent, Avocat d’office, Notaire, Peintre, Traducteur juré de la Langue Allemande, zwei Procureurs d’office pour les différens Tribunaux civils et militaires und einem Huissier. Später (Calendrier 1788, S. 121,122) werden noch fünf Officiaux, ein Bibliothécaire, ein Graveur, 1792 (Calendrier 1792, S. 119) drei Imprimeurs und zwei Eelieurs des Manuscrits genannt. — 1784 (Calendrier 1784, S. 115) verfügte die „Chambre Héraldique des Pays-Bas et Bourgogne dönt les séances se tiennent aux Parc, dans le bátiment adossé ä la rue Verte“ schon über eigene Amtsräume. Die Privatwohnung des ersten Wappenkönigs befand sich in der Rue des Ursulines. Beydaels ließ sich auch angelegen sein, dem Amt, zum Teil auf eigene Kosten, einen wirkungsvolleren äußeren Anstrich zu verleihen. Der Sitzungssaal der heraldischen Kammer wurde mit Gemälden niederländischer Herrscher und Statthalter ausgeschmückt, die er auf eigene Rechnung durch den Maler M. Masset hatte anfertigen lassen. Auch Ritterrüstungen und sonstige mittelalterliche Embleme schmückten die Räume (Selekt Beydaels, Karton 1, Konv. 1, 1802 Febr. 20, Erklärung des Archivbeamten der niederländischen Rechenkammer Leyon, Original). 8 Etwa: „Collationé contre son original est par moi soussigné Notaire Royal et Tabellion de la chambre héraldique trouvé y concorder, quod attestor H. Hanciau (vgl. Calendrier 1783, S. 115) oder J. B. Van Cortenberghe (vgl. ebenda 1788, S. 122).“