Inventare Teil 5. Band 7. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Belgien, von Oskar Schmid

III. Rep. P: c) Die Registraturen der niederländischen Zentralbehörden. 109 Städte der Niederlande und Frankreichs. Im wesentlichen handelte es sich um die im Jahre 1748 weggeschleppten Archivalien. Diese Kommission war 18 Monate tätig und von seiten Maria Theresias nahm der Graf Jean- Baptist Wynants daran teil. In bezug auf die begonnenen Ordnungsarbeiten bedeutete dieses Ge­schäft begreiflicherweise einen Rückschritt, da vorerst die große Menge der zurückgestellten Archivalien, deren In ventare einige Foliobände bildeten, einer Sichtung unterzogen werden mußte. Die Folgezeit stand im Zeichen verschiedener Projekte. So faßte man vorübergehend zur Unterbringung der Archivalien einige Räume ins Auge, die unter der Kapelle des alten Palastes, der im Jahre 1731 abgebrannt war, lagen, beschränkte sich aber dann lediglich darauf, hier die Kisten zu hinterlegen, welche die von den Franzosen 1748 geraubten und in Ausfüh­rung des Versailler Vertrages wieder zurückgestellten Akten enthielten. Da aber die Räume nicht einmal den bescheidensten Anforderungen, die damals an Archivlokale gestellt wurden, entsprachen, nahm man von einer Übersiedlung Abstand. Im Jahre 1774 wurde überdies alles, was noch von dem alten Palast stehengeblieben war, abgetragen. Das nächste Projekt bezog sich auf Räume des aufgehobenen Jesuiten­klosters. Der einstige Bibliotheksaal schien für die Zwecke eines Zentral­archivs geeignet zu sein. Es wurden daher zunächst die von den Franzosen zurückgestellten Bestände, die noch immer nicht ausgepackt worden waren, in diesem Raum hinterlegt. Da sich das Gebäude der Chambre des comptes in einem sehr baufälligen Zustand befand, sollten ihre Amtsräume gleich­falls dorthin verlegt werden. Letzterer Umstand verursachte aber, daß auch dieses Projekt sich nicht verwirklichen ließ. Es gelangte nämlich der Beschluß zur Reife, für die Chambre des comptes ein neues Gebäude zu errichten, und zwar neben dem Platz, wo auch für das Conseil von Brabant gebaut wurde.1 Dort sollten nebst den Aktenbeständen der Chambre des comptes auch die übrigen Ar­chivalien Unterkunft finden. 1782 wurde das neue Gebäude vollendet und die Archive übersiedelten in seine Räume. Kaum fünf Jahre später machte jedoch die Chambre des comptes für die im Gebäude von den Archivalien in Anspruch genommenen Räume Eigenbedarf geltend, und das Conseil royal, das damals schon an die Stelle des Conseil d’état getreten war, gab diesem Ansuchen Folge und verfügte, daß die Archive nach Treurenberg (Tervueren, östlich von Brüssel) zu transportieren seien, wo gegenüber dem Gefängnis drei gewölbte Säle, an­geblich für Archivzwecke geeignet, zur Verfügung stünden. Aus verschie­denen technischen Gründen — die Räume erwiesen sich als durchaus un­geeignet — wurde auch dieses Projekt fallen gelassen, die Archive gelang­ten im Jahre 1788 in einige Räume des Conseil royal, um dann drei Jahre später abermals in die Chambre des comptes zurückgeführt zu werden, wo man sie in einem an der Rue de FOrangerie liegenden Trakt hinterlegte. 1 Das heutige Palais de la Nation (Abgeordnetenhaus). Vgl. für das Vorausgehende Marneffe, a. a. 0. S. 9, 10.

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