Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)
Die Urkundenabteilung von Paul Kletler
Das Wiener Schatzgewölbe. 51 hann von Schaunberg und Maximilians I. aus dem Beginne des 16. Jahrhunderts auf Graf Georg von Schaunberg. Die beiden Genannten spielten nämlich als Geldgeber des Kaisers für die Kriege gegen Türken und Ungarn eine große politische Rolle; für diese Schulden nun verwiesen Kaiser Friedrich III. und Maximilian I. die beiden Schaunberger Grafen auf verschiedene Besitzungen und Einkünfte, auf die Herrschaft Wildenstein, auf das „Salzsieden zu Hallstat“ (1445, 1447), auf den Aufschlag zu Engelhartszell (1506 für Schulden, herrührend von der Eroberung der Stadt Ybbs aus ungarischen Händen). Diese Verweisungsurkunden nun finden sich im „Putsch“, d. h. im Wiener Schatzgewölbe. Wann und wie die Urkunden von Schaunberger Provenienz ins habsburgische Archiv gelangten, ist unklar. Die kaiserlichen Verweisungen (Schuldbriefe) vielleicht bei Tilgung der Schulden, die schaunbergischen Familienurkunden des 14. Jahrhunderts etwa anläßlich der Lehensnahme von 1383. Da diese Urkunden aus dem Schaunbergischen Archiv schon im Konzept des Putsch eingetragen sind, müssen sie schon vor 1547 in Wien gewesen sein; nur ganz vereinzelte Stücke sind erst in der Reinschrift von späteren Händen nachgetragen und könnten daher etwa anläßlich der Zusicherung der Anwartschaft auf die schaunbergischen Reichslehen durch Kaiser Karl V. an Erzherzog Ferdinand im Jahre 1548 für den Fall des Aussterbens des Geschlechtes (das Original des kaiserlichen Anwartschaftsbriefes bildet die letzte Urkunde unserer Abteilung) oder 1559, als dieses Ereignis wirklich eintrat,1 ins Schatzgewölbe gelangt sein. Jedenfalls handelt es sich aber, wie gesagt, nur um kleine Splitter des Archivs der Grafen von Schaunberg. Denn dieses befindet sich heute noch fast unversehrt auf Schloß Eferding im Besitze der Fürsten von Starhemberg, an die der größte Teil des schaunbergischen Erbes gelangt ist. Die Urkunden der besprochenen Abteilung Schaunberg blieben im Jahre 1565 bis auf einige wenige mit E. C. bezeichnete, d. h. an Erzherzog Karl nach Graz abgegebene Stücke, in Wien, wurden später von Weinkopf in das Österreichische Archivrepertorium (AB. 374 e) eingetragen und finden sich heute teils im Repertorium I (AB. 375), teils im Repertorium III (AB. 378/4,5); von den nach Graz gekommenen Urkunden wurden einzelne bereits 1752 von Rosenthal ins StA. gebracht — sie stehen heute im Repertorium I —, die übrigen kamen erst mit dem gesamten Grazer Schatzgewölbe nach Wien und finden sich im Repertorium XXIV (AB. 406). Von den nun folgenden über 50 Abteilungen wurden einige mehr oder weniger ausführlich schon besprochen:2 Sternberg, Walsee, Meissau und Zelking. Nur zu M e i s s a u mag noch hinzugefügt werden, daß die rund 90 Urkunden dieser Abteilung von 1297—1437 (1482) reichen, daß sich unter den Urkunden habsburgischer Provenienz z. B. die meissauischen Vermächtnisurkunden von 1411 und 1437 und vor allem die Verzichts- und Übergabsurkunde vom 23. März 1430 befinden, daß den Kern des eigent1 Damals brach ein Kampf um das schaunbergische Erbe zwischen Kaiser Ferdinand I. und den Starhemberg aus; die zum Marschallamt in Österreich ober und unter der Enns und in Steiermark gehörigen Herrschaften mußten im Jahre 1559 dem Kaiser abgetreten werden. Siehe Siebmacher, O. Ö. Adel 394. s Siehe S. 16—18, 30. 4*