Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)
Die Urkundenabteilung von Paul Kletler
52 Die Urkundenabteilung. lichen Meissauischen Archivs (über 70 Urkunden) Lehenbriefe der Herren von Meissau, Kaufbriefe auf sie sowie meissauische Familienurkunden (Verweisung Ottos von Meissau auf seine Gemahlin 1411) bilden, daß die ganze Gruppe 1565 in Wien blieb und die Urkunden heute in den Repertorien I und III (AB. 375 und 378/4, 5) zu suchen sind. Auch sei hier wieder der urkundliche Beleg für die Erwerbung des Hauptteiles des Archivs durch das Schatzgewölbe, nämlich die die Archivalien betreffende Stelle der Übergabsurkunde von 1430 angeführt: „Item all hantvest, brief und urbar- pücher, die über die obgenanten herscheft vest leüt und guter ... lauttent und sagent ...“ Wieder andere Abteilungen bestehen nur aus wenigen Stücken oder vereinigen Urkunden des gleichen Betreffs, nicht aber der durch die Überschrift bezeichneten gleichen Provenienz. Es genügt, diese Gruppen mit Hinzusetzung der Zeitgrenzen und gelegentlich einiger knappen Bemerkungen einfach anzuführen: Lai ter (d. i. della Scala), 1 Stück von 1322; Carrara, 1373—1425, 10 Urkunden, wohl aus der habsburgischen Registratur, meist Verträge zwischen den Reichsvikaren zu Padua, Franz und Marsilius von Carrara, einerseits und österreichischen Herzogen (Leopold III., Emst von Steiermark) andererseits, darunter das Übereinkommen von 1384 betreffend eine in zehn Jahren zu schließende Heirat der Tochter Franz’ des Jüngeren von Carrara Ziliola mit Herzog Leopolds III. Sohn Friedrich (= Friedrich von Tirol) und die Aufkündigung dieses Vertrages seitens Carraras wegen zu geringer Mitgift von 1393. Öt tin gen, nur 2 Stück (1380, 1493); Frange pan Graven zu Vegei s, 1365—1529, 21 Stück, zum Teil aus dem Frangipanischen Archiv (Familienurkunden, Bürgschaftsbriefe), zum Teil aus dem kaiserlichen Archiv (besonders seit Anfang des 16. Jahrhunderts Pfleg-, Pfand- und Dienstreverse auf Österreich); Grafen von Pösing, 1460—1532; Grafen von der Krup, nur 2 Stück (1353, 1348); Ti bein (Duino), 1284—1418 (1436), nur 10 (12) Stück, aber wohl einheitlich Tibeiner Provenienz, Urkunden der Grafen von Görz, der Patriarchen von Aquileia und der Herzoge von Österreich, auch zwei Testamente Haugs von Tibein von 1374 auf seinen Bruder Georg von Weiteneck und von 1390 auf seinen Schwager Rudolf von Walsee, den er darin zum Verwalter seiner Güter bis zur Vogtbarkeit seiner (Haugs von Tibein) Kinder und zu deren Vormund ernennt; ein Splitter des Tibeiner Archivs, der jedoch, wie das zweite Testament vermuten läßt, als Teil des Walseer Archivs mit diesem, also erst im Jahre 1545, ins Wiener Schatzgewölbe gelangte;1 Dietrichstain, 1493—1539, meist Quittun1 Daher fehlt die Gruppe Tibein im Konzept des „Putsch“, wo ja auch das Walseer Archiv noch nicht eingetragen ist. Erst im Inhaltsverzeichnis des 3. Bandes der Reinschrift ist Tibein aufgenommen; die Eintragung der Abteilung selbst aber ist heute auch hier nicht vorhanden, da sie mit dem Schluß dieses Bandes verloren ist. Wir finden daher unsere Abteilung Tibein erst in der Putschabschrift von 1565 (AB. 334) eingetragen; am Schlüsse dieser Eintragung findet sich nun der für die Herkunft der Abteilung Tibein gleichfalls bezeichnende Hinweis: „Mer Tybeinisch Sachen suech sub titulo Walssee, fol. 1063 et 1.“ Auch folgt die Eintragung Tibein im Inhaltsverzeichnis des 3. Bandes der Reinschrift unmittelbar auf Walsee, obwohl die Abteilung Walsee auf fol. 1112—1146 steht, während Tibein erst auf fol. 1517 begann, weshalb es eben mit dem ganzen Schluß des Bandes verlorenging.