Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)
Die Handschriftenabteilung von Fritz Antonius
II./2. I. Länderstellen: Graz—Böhmen. 197 Franz Freiherrn von Prandau verfaßt,1 wohl im Wege der Staatskanzlei ins Archiv gelangt sein dürfte. Auch Böhm 1000 und Suppl. 403 scheinen in diese Provenienzgruppe zu gehören. Die größte Erwerbung aber, die Ameth 1881 aus den Beständen der niederösterr. Registraturen machte, war, wie bereits in der Geschichte der Handschriftensammlung (oben S. 162) erwähnt, nur vorübergehender Natur. Es waren die rund 90 Bände Pfarr- urbare (Suppl. 550—610) und Lehenbücher (Suppl. 611—639), die aus dem Besitz der niederösterr. Statthalterei requiriert, im Jahre 1895, nach Gründung des Statthaltereiarchivs, wieder abgetreten werden mußten. Hier seien endlich auch die Schriften des niederösterreichischen Klosterrats erwähnt.1 2 Auf die zwei Bände der Niederösterr. Kloster-Visitations-Protokolle von 1544 (der Provenienz Klosterrat), die im Hofkammerarchiv verwahrt waren, hatte die Archivdirektion schon im Jahre 1784 aufmerksam gemacht und ihre Überlassung an das StA. beantragt. Aber erst fast hundert Jahre später — 1870 — gelangten die zwei Codices mit mehreren dem österr. Schatzgewölbe entstammenden Handschriften tatsächlich in den, Besitz des Staatsarchivs, wo sie bald nachher als Suppl. 415 in die Handschriftensammlung eingereiht wurden. Um die Serie dieser Visitationsprotokolle zu ergänzen, wandte sich Arneth im Jahre 1873 an die niederösterr. Staathalterei um Überlassung des angeblich in der dortigen Registratur erliegenden dritten Protokollbandes. Diesem Ansuchen konnte jedoch nicht entsprochen werden, da die vier Bände Visitationsprotokolle, die früher in der Registratur vorhanden waren, wie sich schon bei einer Nachsuche im Jahre 1843 ergeben habe, abhanden gekommen und wahrscheinlich entwendet worden seien. Es muß dahingestellt bleiben, ob zu diesen angeblich vier Bänden auch die zwei 1784 bereits im Hofkammerarchiv lagernden Bände gehört hatten, die sich heute in unserer Sammlung finden. Übrigens war im Jahre 1784 auch die Rede von Obderennsischen Visitationsprotokollen, die damals in der Registratur der Böhmisch-österr. Hofkanzlei erlagen. Sie hatten sich im Nachlaß des Grafen Oedt gefunden, waren dort „erhoben und in die damalige k. k. Direktorial-Registratur zurückgegeben worden“.3 Über ihren heutigen Verbleib ist nichts bekannt. Die im Jahre 1844 aus dem Archiv des Klosterrats übernommenen Handschriften einzelner Klöster sollen im Abschnitt „Geistliche Provenienzen“ im einzelnen besprochen werden. Es sind die aus elf verschiedenen Klosterarchiven stammenden Bände: Böhm 993, Suppl. 213, 223, 224, 228, 271, 292, 293, 338, 346, 347, 351, 353, 354, 355, 356, 367, 549, 1062, 1155, 1156, 1159 und 1162. Böhmen. An böhmischen Provenienzen haben sich außer der Sammlung Straka, über die an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, nur ganz spärliche Reste unter unseren Handschriften erhalten. Alles andere wurde an die Tschechoslowakische Republik ausgeliefert, sogar einige 1 Vgl. unten Abschnitt Sammlungen, Prandau. s Vgl. auch unten die Ausführungen W. Latzkes, 1. Teil, Anhang Abschn. 3. 3 Vgl. unten Abschnitt Sammlungen, Oedt.