Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)
Die Handschriftenabteilung von Fritz Antonius
I. Geschichte der Sammlung. 163 Das Jahr 1881 brachte dann noch eine Erwerbung, die allerdings nur in zwei Bänden bestehend, doch wegen der Vervollständigung der bereits vorhandenen Einheiten dieser Provenienz von Wert war, nämlich zwei Bände der Manuskripte Bartensteins, die Graf Wilczek dem Archiv schenkte. In dieselbe Zeit fiel die Einleitung einer großen Archivalientransaktion, die dem StA. zwar beträchtlichen Gewinn an Akten (Maximiliana!), der Handschriftensammlung aber bedeutende Einbußen brachte, der Archivalientausch mit Innsbruck. Die erste der beiden Auslieferungen, um die es sich bei diesem Geschäft handelte, kostete dem StA. 18 Handschriften, hauptsächlich Tiroler Kanzleibücher der Provenienz Schatzarchiv Innsbruck.1 Die zweite, die erst drei Jahre später stattfand, 15 Raitbücher der tirolischen Kanzlei der Zeit von 1285—1564.2 Hatte hier das Archiv für die ausgelieferten Manuskripte wenigstens anderweitigen Gewinn zu verzeichnen, so wurden gerade wieder der Handschriftensammlung einige Jahre später Opfer zugemutet, die ausschließlich Ungarn zugute kamen. Der Direktor des Reichsfinanzarchivs (Hofkammerarchivs) R. v. Thálloczy strebte nämlich für das ungarische Landesarchiv die Erwerbung der in München liegenden Reste des alten Cor- vinischen Archivs (gegen 600 Urkunden) an und wirkte, da die bayrische Regierung außer verschiedenen Budapestéi- Archivalien noch 15 Codices des Wiener StA. forderte, auf die Auslieferung dieser Bände hin. Nach längeren Verhandlungen kam die Einigung endlich auf der Basis zustande, daß das StA. 13 Bände verschiedener bayrischer Provenienzen — Kanzlei Herzog Ludwigs, Markgrafschaft Burgau, Pfalz, Augsburg, Nürnberg, Passau — nach München abgab, den Codex 581 (Hermann v. Altaich) und 529 (pfalz-bayrisches Lehenbuch für Tirol) aber behielt. Von Hs. 529 wurde eine beglaubigte Abschrift angefertigt und ebenfalls an Bayern abgetreten.3 Eine weitere Abgabe erfolgte im Jahre 1906 nach Graz. Das steirische Statthaltereiarchiv hatte damals um die Überlassung der in der Serie der Innerösterreichischen Kammerbücher — Abteilung österreichische Akten — vorhandenen Dubletten ersucht und in der Tat 20 doppelt vorhandene Jahrgänge erhalten. Aber auch aus der Handschriftensammlung wurde ein Band der Hofkammerregistratur (Bd. 22) nach Graz ausgefolgt, während sich die Direktion nicht dazu verstehen konnte, auch den Grazer „Putsch“,4 um dessen Überlassung ebenfalls angesucht worden war, dem Statthaltereiarchiv abzutreten. Nach diesen großen Transaktionen waren bis zum Krieg, oder eigentlich nach dem Krieg, nur wenige von außen gekommene Zuwächse mehr zu verzeichnen. So bot 1882 die Budapester Universitätsbibliothek ein Urbar der Herrschaft Bruck a. d. Leitha von 1573 zum Kauf an, das auch * * 1 Hss. Böhm 385, 386, 387, 394, 395, 406, 407, 411, 414, 418, 420, 421, 422, 424, 426, 506, 510, 516. s Hss. Böhm 381, 382, 388, 393, 430, 522, 524, 525, 526, 528, 530, 531, 532, 533, 559. 8 Hss. Böhm 405, 478, 479, 481, 482, 483, 600, 601, 603, 610, 624, 625, 653. * AB. 334/1—7. 11*