Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Die Handschriftenabteilung von Fritz Antonius

162 Die Handschriftenabteilung. Der erste dieser Zuwächse war schon unmittelbar nach dem Erscheinen des Supplementes zu verzeichnen. Ein Archivalientausch mit Preußen, der bereits seit dem Jahre 1871 im Zug war, kam nun zum Abschluß und brachte gegen 20 Codices verschiedenster Provenienz ins Archiv. Sie fin­den sich im Supplementissimum (AB. 448 a, b, 449) Nr. 444 f. und 464 ff. verzeichnet. Es geht aus dieser Eintragung hervor, daß damals bereits weitere Ausscheidungen von Handschriften aus den Aktenbeständen des Archivs vorgenommen worden sind — aus Reichshofrat, Staatskanzlei, österr. Akten, Jesuitica u. a. —, denn während wir die Einlieferungen von außen jeweils genau in chronologischer Ordnung im Verzeichnis ver­folgen können, finden sich dazwischen immer wieder Einschübe aus Be­ständen, die längst zum Besitzstand des Archivs gehört haben. Die nächsten Zuwächse waren der Zahl nach unbedeutend, einige Schenkungen und Ankäufe: 1876 Khevenhüllers „österr. Heiraten“ und die sieben Bände „Historia der vornehmsten Reichsgeschichten“, 1877 Czörnigs „Lombardei unter österr. Verwaltung“ und Zetls „Chronik von Steyr“ und 1880 zwei Handschriften aus dem Nachlaß des Freih. v. Posch.1 Erst die Jahre 1880 und 1881 brachten zwei bedeutende Neuerwer­bungen, von denen die eine allerdings kaum eineinhalb Jahrzehnte im Be­sitz des Archivs bleiben sollte. Zu Beginn des Jahres 1881 stellte nämlich Arneth an den Statthalter von Niederösterreich das Ansuchen, die in den Kellerräumen der niederösterr. Statthalterei durch Feuchtigkeit stark gefährdeten Archivalien dem StA. zur besseren Konservierung zu überlassen, vor allem die Lehenbücher Friedrichs III. und Maximilians I. Diesem Ansuchen wurde stattgegeben und in der Folge wurden 37 Bände Lehenbücher von Ferdinand I. bis Franz II. — die ältesten waren unauf­findbar — und 61 Bände Klosterurbare und Grundbücher ins StA. über­tragen. Auch diese Codices wurden ins Supplementissimum eingetragen (AB. 448 a),2 mußten aber, nachdem noch 1891 die fehlenden Lehenbücher vergeblich reklamiert worden waren, nach der Gründung des niederösterr. Statthaltereiarchivs im Jahre 1895 wieder zurückgestellt werden. Die andere Erwerbung, die des Nachlasses W e s s e n b e r g, die eigent­lich weiter zurückdatierte, blieb dem Archiv erhalten. Anfangs 1874 hatte Graf von Blankensee-Firks in Berlin einige Schriftstücke aus dem Nachlaß seines Großvaters, des Freiherrn von Wessenberg, dem StA. geschenkt und, der daraufhin gegebenen Anregung Arneths folgend, den gesamten Schrif­tennachlaß Wessenbergs dem Legationsrat v. Vivenot für das StA. über­geben. Dieser hatte ihn jedoch bis zu seinem im Juli 1874 erfolgten Tod zu­rückgehalten, und erst auf wiederholte Vorstellungen Arneths übergab seine Witwe die Schriften dem StA.3 Die 192 Bände dieses Nachlasses, Tagebücher usw. wurden wohl in räumlicher Vereinigung mit der Manuskriptensamm- lung, doch zunächst unter eigener Zählung aufgestellt, erst bei der Neugrup­pierung der Handschriften in Jahre 1902 erhielten sie die einheitliche Signa­tur Suppl. 1168 und gelangten am Ende der Serie Rot zur Aufstellung. 1 Vgl. Bd. II S. 41, 379. 2 Suppl. 550—639. 8 Verzeichnis (v. Schrauf) AB. 38/3.

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