Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)
Die Handschriftenabteilung von Fritz Antonius
I. Geschichte der Sammlung. 159 wurde zunächst, 1868, ein aus dem Kloster Rein stammender Codex, ein Album aus dem 16. Jahrhundert und ein von einem alten Buchdeckel abgelöster Holztafeldruck an die Hofbibliothek um 120 fl. verkauft. Noch im selben Jahr wurde die Aktion zum Austausch der in der Hofbibliothek verwahrten Klosterurkunden, einiger Aktenfaszikel und eines Manuskripts des Freiherrn von Bartenstein gegen 80 Handschriften des StA. eingeleitet und wenige Monate später durchgeführt. Die Ausscheidung dieser Handschriften aus der Sammlung geschah im Zuge der von Böhm durchgeführten Ordnungsarbeiten. „Bei der genauen Beschreibung, welche gegenwärtig der Archivconcipist v. Böhm von der im Haus-, Hof- und Staatsarchiv befindlichen reichhaltigen Sammlung von Manuskripten verfertigt“, sagt Arneth in der Note, die das Tauschgeschäft mit der Hofbibliothek einleitet, „habe ich alle diejenigen, welche nicht geschichtlichen, sondern meistenteils theologischen Inhaltes sind, einstweilen ausscheiden und bei Seite stellen lassen, indem sie einerseits für das Staatsarchiv als solches keinen Wert haben und andererseits auch von denen, die sich mit derartigen Studien beschäftigen, hier nicht gesucht werden“. Demgemäß schied Böhm fast alle Codices aus, die sich aus dem niederländisch-heraldischen Archiv noch in der Sammlung befanden, bzw. durch Lorenz erst vor wenigen Jahren den „Bibliothekshandschriften“ angereiht worden waren, dieselben, die die Direktion bereits 1829 zur Abtretung an die Hofbibliothek vorgeschlagen hatte. Es kamen aber jetzt auch noch einzelne Codices aus anderen Beständen dazu, so die zwei Prachtbände aus der Corvinischen Bibliothek und ein Bändchen aus dem italienischen Departement der Staatskanzlei, die alle drei eben erst aus der alten Staatskanzlei-Registratur übernommen worden waren, und endlich zwei österreichische Chroniken — Johann En- enkel und Albert v. Bonstetten, letztere 1805 von Gassier aus Innsbruck gebracht —, obwohl man alle diese sicherlich nicht zu den Codices „theologischen Inhalts“ rechnen konnte. Ebenfalls den niederländischen Beständen der Handschriftensammlung waren einige Bände entnommen, die im Zuge der seit dem Jahr 1851 laufenden Austauschaktion mit Belgien anfangs der Siebzigerjahre nach Brüssel wanderten. Zwar wurden nicht alle Manuskripte, bei denen Böhm im alten Katalog vermerkte: „H. k. Rath Wocher zur Auslieferung an Belgien übergeben“, tatsächlich ausgeliefert, aber ein Teil von ihnen verschwand doch aus dem Besitzstand des Archivs. Auch diese Handschriften, soweit sie damals nach Belgien kamen, erscheinen nicht mehr in dem gedruckten Katalog, der als Frucht der Ordnungsarbeiten Böhms 1873 erschien.1 Böhm fußte bei dieser — wie er es selbst nennt — Beschreibung der Handschriften des Archivs unmittelbar auf den Vorarbeiten Ottokar Lorenz’, von denen wir oben bereits gehört haben. Dieser hatte, um es hier nur kurz zu wiederholen, 1860 den Bestand der „Bibliothekshandschriften“, wie er von Thomayr verzeichnet worden war,2 übernommen, im Lauf der folgenden Jahre die niederländi1 Die Handschriften des k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchivs, beschrieben von Constantin Edlen von Böhm, Wien, Braumüller, 1873, AB. 448. 2 AB. 447.