Inventare Teil 5. Band 4. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1936)

Reichsarchive von Lothar Gross

Fridericiana — Maximiliana. 357 volut mit Akten der Jahre 1465—1480 der Abteilung entnommen und in Fasz. 1 der Abteilung Ungarn eingeteilt. Als Behelf besteht für die Fridericiana nur ein 1880 von Thomayr geschriebenes Aufstellungsverzeichnis (AB. 30/1), das lediglich die Zeit­grenzen der einzelnen Faszikel angibt. Inhaltsverzeichnis: Fridericiana 1442—1493, Fasz. 1—9; Fridericiana undatiert, Fasz. 10. Maximiliana. Wie die Fridericiana sind auch die Maximiliana ein erst verhältnis­mäßig spät im Archiv gebildetes Selekt. In ihrer Hauptmasse stammen sie aus dem Gubernialarchiv in Innsbruck, von dem 1841 nicht weniger als 44 Faszikel mit Aktenmaterial aus der Zeit Maximilians I. an das StA. ausgeliefert wurden. Der Auslieferung waren längere Verhand­lungen vorausgegangen.1 Die Akten aus der Zeit Maximilians, die das Wiener Archiv nun erhielt, waren jedoch kein organisch erwachsener Bestand, sondern bereits eine von dem damaligen Innsbrucker Registraturs­direktor Röggl und dem Registraturspraktikanten Anton Emmert aus ver­schiedenen Beständen zusammengebrachte Sammlung. Besonders Emmert, der sich damals auch um eine Anstellung im Wiener Archiv bewarb, muß sich einem Gesuche zufolge um die Sammlung der Akten aus der Zeit Maximilians sehr verdient gemacht haben. Er scheint hauptsächlich das sogenannte Pestarchiv in Innsbruck (so genannt nach seinem früheren Aufbewahrungsorte, dem „Pestgewölbe“ in der Innsbrucker Hofburg, wo man seinerzeit Pestkranke unterbrachte) für seine Sammlung, die er Maximilianeum nannte und an der er seit 1833 tätig war, ausgebeutet zu haben. Das Bestehen der Abteilung in Wien datiert also seit 1841. Seiner Provenienz nach bestand das aus Innsbruck gekommene Selekt wohl hauptsächlich aus Akten der Reichskanzlei Maximilians und der Kanzlei Erzherzog Sigismunds von Tirol. Eine große Be­reicherung erfuhr die Abteilung, als Meiller 1851 aus einem Teil der Mis­cellanea der Reichshofratsregistratur alle Akten vor dem 12. Jan. 1519, dem Todestag Maximilians I., ausschied und in das Archiv übernahm. Er hat auch aus der Abteilung der sogenannten österreichi­schen Akten der Reichsregistratur viele Stücke entnommen und den Maximiliana zugewiesen (vgl. AB. 416). Nicht minder bedeutend war der Zuwachs aus dem im Jahre 1885 mit dem Innsbrucker Statthal­tereiarchiv getätigten Austausch. Damals erhielt das StA. aus den Maximiliana in Innsbruck ungefähr 3000 Aktenstücke, die wohl zum aller­größten Teile in unsere Abteilung gelangten. Demgegenüber treten die anderen Zuwächse der letzten Jahrzehnte vollkommen zurück. Der an­sehnlichste war noch der aus der k. k. Familien-Fideikommißbibliothek, der eine Zahl von Schreiben Maximilians I. an das Reichskammer­gericht brachte. Ihrer Provenienz nach gehörten sie zum Archiv dieses 1 Vgl. auch Michael Mayr, Das k. k. Statthalterei-Archiv zu Innsbruck in den Mit­teilungen der 3. (Archiv-) Sektion der k. k. Zentralkommission 2, S. 173 f.

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