Inventare Teil 5. Band 4. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1936)

Reichsarchive von Lothar Gross

356 Reichsarchive. die in den Fridericiana vereinigt sind, lassen sich nur durch eine Unter­suchung der Serie selbst feststellen, da die Verwaltungsakten darüber so gut wie nichts enthalten. Der Hauptstock besteht aus Akten des kaiserl. Kammergerichts Friedrichs III. Sie sind wohl auf dem Wege über die Reichshofkanzlei in das Archiv gelangt. Ein Teil derselben ist identisch mit jenen Gerichtsakten, die 1622 aus dem Innsbrucker Archiv an die Reichshofkanzlei abgegeben worden waren.1 Sie sind in dem Verzeichnis der ausgelieferten Akten (AB. 120) unter dem Titel „Allerlay underschid- liche gemaine privat- und partheyenreichssachen, acta und schrifften“ ein­getragen (Fol. 65 ff.). Nach Innsbruck dürften sie wohl unter Maximilian I. gelangt sein. In der Reichshofkanzlei dürften sie den Akten des Reichs­hofrates angegliedert worden sein, unter denen sich offenbar schon andere Kammergerichtsakten befanden, die dann auch den Weg in die Fridericiana nahmen. Diese letzteren dürften zum großen Teile von Meiller aus den Miscellanea der Reichshofratsregistratur in die Fridericiana übertragen worden sein. Anderes Material der gleichen Provenienz findet sich heute in den Antiquissima des Reichshofrates. Dorthin wurde auch ein früher in den Fridericiana Fasz. 11 eingeteilter Band mit Sitzungsprotokollen des königl. Kammergerichtes von 1465—1480 übertragen.2 Meiller hat auch sehr viele Stücke aus den sogenannten österreichischen Akten der Reichs­registratur (vgl. AB. 416) entnommen und bei den Fridericiana eingeteilt. Es handelte sich meist um Material aus den ersten Jahrzehnten der Regie­rung Friedrichs III. An zweiter Stelle stehen die politischen Akten aus den anderen Kanzleien Friedrichs III. Von diesen mag ebenfalls man­ches aus Innsbruck gekommen sein, besonders bei der Auslieferung von 1841. Manches ist vielleicht auch beim Austausch mit dem Innsbrucker Statthaltereiarchiv im Jahre 1885 der Abteilung zugewachsen. In letzter Zeit erfolgte ein kleiner Zuwachs durch ein Geschenk Paul Kehrs. Um über diese Provenienzen im einzelnen Klarheit zu gewinnen, müßte erst eine eingehende Untersuchung über die Kanzleiverhältnisse unter Fried­rich III. durchgeführt werden. Nicht unbeträchtlich ist auch die Zahl der Stücke, die ihre Herkunft aus dem alten österreichischen Schatz­archiv durch die Dorsualnotizen von der Hand des Registrators Wilhelm Putsch verraten. Einzelne Akten finden sich auch, die den Archiven der Grafen von G ö r z und des Klosters Lilienfeld entstammen. Da­neben finden sich noch versprengt verschiedene andere Provenienzen, denen keine größere Bedeutung zukommt (z. B. ein Stück aus der belgi­schen Abteilung u. a.). In den letzten Jahrzehnten erfuhr die Abteilung insofern eine Schmälerung, als die sogenannten vorfriderizianischen Akten aus der Zeit von 1245—1438, die wohl großenteils Urkundenabschriften waren, durch Mitis 1903 in die Urkundenabteilung eingeteilt wurden und die Kammergerichtsprotokolle von Schwab für die Antiquissima des Reichshofrates übernommen wurden. Schon früher hatte Károlyi ein Kon­1 Vgl. darüber oben S. 316. a Vgl. über diesen Band sowie über das Kammergericht Friedrichs III. überhaupt K. Lechner, Reichshofgericht und königl. Kammergericht im 15. Jahrhundert in den M. Ö. I. G., Erg.-Bd. 7.

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