J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

mit Rom und Sardinien geriet53), mit deren Pariser Vertretern der toskanische Ministerresident in engen gesellschaftlichen Beziehungen stand. Es spielte in der Tat in Paris „unter der Hand das Opfer“54) und arbeitete, den gehässi­gen Einstreuungen der Nachbarn erliegend, durch geheime österreichfeindliche Weisungen den Verpflichtungen entgegen, die ihm der österreichische Post­vertrag von 1822 auferlegt hatte. Schon hielt man diesen in Paris mehr für einen erzwungenen denn für einen freiwilligen Akt55). Aber trotz seiner energischen, fast drohenden Sprache hat Metternich die toskanische Regierung zur Abgabe einer eindeutigen, den österreichischen Forderungen entsprechen­den Erklärung nicht zu bestimmen; vermocht. Sie war vielmehr nach wie vor „auf Schrauben gestellt“56). Unter diesen ungünstigen Aspekten hat Metternich den dritten fran­zösischen Postvertrag verhandeln und abschließen lassen müssen. Schon drängte ihn Chateaubriand, kaum daß er seine italienischen Postpläne unter Dach gebracht hatte, zur Wiederaufnahme der Verhandlungen. Nach einigem Temporisieren hat sich Metternich im Frühjahr 1824 zur Entsendung Liliens entschließen müssen, wollte er nicht durch allzulanges Zögern Frank­reich zur Kündigung des alten Postvertrages treiben, dessen finanzielle Be­stimmungen für Österreich günstig waren. Wieder hat in Liliens Instruktion57) der Simplontransit eine Rolle gespielt. Man wollte sich in Wien schon zu­frieden geben, wenn auch nur eine entfernte Möglichkeit, ihn wiederzugewin­nen, gegeben war. Den nun ganz Sardinien gehörenden fremditalienisch­südfranzösischen Postverkehr aus den bisherigen Postvertragsbestimmungen auszuschalten, konnte Lilien nicht schwer fallen. Als er aber seine Forderung, die zwischen Nord- und Mittelfrankreich und Fremditalien laufende Gegen­post über Hüningen zu legen, vorbrachte, da stieß er auf ein so kategorisches Nein, daß er die Verhandlungen unterbrach. Wie unsicher er sich aber dabei fühlte, das zeigt sein Privatschreiben vom 29. Oktober 1824, in dem er seiner Furcht vor neuen postalischen Verwicklungen Ausdruck gab, die Österreich unbeliebt machen und seine geheimen politischen Zwecke offenbar werden lassen mußten58). Dennoch hat er — mehr gespielt als echt — dem neuen französischen Außenminister Damas die „ganz eigene, äußerst unangenehme (politische) Beschaffenheit“ dieser Angelegenheit vorgehalten59), ohne aller­dings mehr damit zu erreichen als die Vertragskündigung durch Frankreich. Nun mußte der Ersatzvertrag 60) von Grund auf neu entworfen und in allen wesentlichen Punkten der französischen Auffassung angeglichen werden. Die Hüninger Postroute erhielt eine Zweiglinie über Verona und Bregenz (S. 78), auch wurde ihr zwischen Forbach, Frankfurt und Eger eine Trans­versallinie vorgelegt. Des Simplon transits wurde nur in sehr bedingter Weise gedacht. Die Hüninger Linie für die von Nord- und Mittelfrank­reich nach Fremditalien laufende Gegenpost konnte infolge der stand­53) Bericht Liliens 24 XI 19 (Anm. 47); Promemoria Lebzelterns 25 I Toskana, adm. Reg. Postwesen. M) Bericht aus Florenz 24 XI 30 Toskana, adm. Reg. Postwesen. “) Bericht Liliens 24 X 29 Frankreich, Varia 98. 66) Berichte Liliens 24 XII 22, 25 II 12 Frankreich, Varia 98. 57) 24 IV 27 Frankreich, Varia 98. 58) Bericht und Privatschreiben Liliens 24 X 29 (Anm. 55). 59) Bericht Liliens 24 XI 19 (Anm. 47). 60) 25 III 9 L. Neumann 1. c. 4, 92. 88

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