J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

hat, war die Versicherung, sich über den Gegenstand der österreichischen Forderung ohne Vorwissen und Zustimmung des Kaiserhofes mit niemandem zu verständigen43). c) Ablehnung der nord- und mittelfranzösischen Gegenpost durch Frankreich. Der Kampf, den Österreich um den Hüninger Transit der fremditalieni­schen, nach Mittel- und Nordfrankreich bestimmten Korrespondenzen führte, war auf den französischen Postvertrag des Jahres 1817 (S. 63) und die darin vorgesehenen Erklärungen abgestellt, die jene fremditalienischen Staaten — Toskana nämlich, Rom und Neapel — in Paris abzugeben hatten, die mit Mittel- und Nordfrankreich nicht über Sardinien, sondern über Lombardo-Venezien korrespondieren wollten. Für den Hinweg hatten diese Erklärungen wenig zu bedeuten. Österreich leitete die fremditalienischen, nach Mittel- und Nordfrankreich bestimmten Briefschaften auf seine Hünin­ger Linie und stellte sie auf dieser der französischen Post zur Weiterbeförde­rung zu. Viel wesentlicher aber und wirkungsvoller mußten sich diese Erklärungen gestalten, wenn sie sich auch auf die nord- und mittelfranzösische Gegenpost bezogen und die französische Postverwaltung nötigten, sie von der sardinischen auf die österreichische Route abzulenken. Damit trat aber Paris mehr und mehr in den Vordergrund. Hier hatten die fremditalienischen Staaten ihre Erklärungen abzugeben, hier sie Österreich postpolitisch aus­zuwerten und Frankreich vertraglich darauf festzulegen, hier die fremd­italienischen Staaten den Hebel anzusetzen, wenn sie sich der österreichischen Posthegemonie entziehen wollten. Nodh im Dezember 1822 hat T oskana dem österreichischen Postver­trage entsprechend in Paris die Hüninger Linie auch für die nord- und mittel­französische Gegenpost in Anspruch genommen. Metternich hatte ihm nahe­legen lassen, die Ursprungsdepartements derselben genau zu bezeichnen. Aber trotz der Unterstützung, die Österreich diesem Schritte Toskanas zuteil werden ließ, verschob der französische Außenminister die Antwort von Monat zu Monat. Dieselbe Erklärung hätte über Metternichs Aufforderung auch d i e Kurie in Paris abgeben sollen. Da sie aber auf keine Weise dazu zu be­wegen war, mußte sich Österreich, wie oben erwähnt, in dem zweiten römi­schen Postvertrage damit begnügen, die Hüninger Postlinie stillschweigend vorzubehalten und sie mit besonderen finanziellen Vorteilen zu versehen. Neapel war anfänglich nicht abgeneigt, sich in dem von Österreich ge­wünschten Sinne in Paris zu erklären, später aber wurde es trotz aller Er­munterungen unsicher und vermied die gewünschte Erklärung schließlich ganz44). Das hing mit dem Widerstande zusammen, den der Ausbau der Hünin­ger Postroute allenthalben ausgelöst hatte. Je deutlicher die Stellung wurde, die Frankreich gegen die österreichische Konkurrenzlinie einzunehmen begann, um so mehr fand es damit den Beifall der fremditalienischen Höfe, die den lombardischen Posttransit scheuten, dies Österreich wohl nicht merken, die französische Regierung aber insgeheim in ihrem Widerstande bestärken “) Note an Molza 25 IX 3 Modena, adm. Reg. Postwesen. M) Weisungen nach Neapel 23 XII 24, 24 XI 12; Berichte aus Neapel 24 XI 25, 25 XII 31 Neapel 77. 86

Next

/
Oldalképek
Tartalom