J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)
II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien
linien nördlich des Pos wetteifern wollten, das lag gewiß nicht im Sinne des zwischen Parma und Österreich abgeschlossenen Postvertrages. Auch waren darin die geschlossenen Postpakete nochmals verboten worden, die nun doch im sardinischen Postvertrage für die Familienkorrespondenz zwischen den Höfen von Turin und Modena — König Karl Felix war der Schwiegervater Herzog Franz’ IV. — zugelassen wurden. Je eindringlicher aber Metternich dem gegenüber die geheimen Artikel der Verträge von 18x7 und 1823 betonte und darüber hinaus sogar die Einschaltung Mailands forderte, um so gereizter entgegnete ihm Neipperg mit dem Hinweise, daß es um Parmas Ansehen und um dessen Handelsverbindungen übel bestellt wäre, wenn es nicht einmal auf der kurzen Wegstrecke bis Modena frei korrespondieren könnte 39). Keine geringeren Schwierigkeiten erwuchsen Parma aus der Durchführung seines sardinischen Vertrages. Denn die nord- und mittelfranzösische Korrespondenz, die noch immer über Pontarlier (und Ferney), Genf und Turin nach Mailand befördert wurde, kam Parma mit hohen, diesem Umwege entsprechenden Portosätzen zu, während sie ihm Sardinien auf dem direkten Wege kostenlos zustellen wollte. Den Briefverkehr mit den Legationen und Marken hingegen ließ Sardinien statt über Mantua, wie es die Postverträge — von Genua abgesehen — verlangten, über Parma laufen40). Über allen diesen absichtlichen oder unabsichtlichen Mißverständnissen, die der latenten österreichisch-sardinischen Spannung entsprangen, ist Parma nie zur Ruhe gekommen. Dennoch hat es die Postfront gegen Rom standhaft verteidigt, wovon sich Metternich durch Sardagna des öfteren vergewissern ließ. Waren es Bande verwandtschaftlicher Art, die Parma an Österreich fesselten, so wirkten sich diese, was Modena betraf, in entgegengesetztem Sinne aus. Die Schwiegerschaft, die zwischen dem Könige Karl Felix von Sardinien und dem Herzoge Franz IV. von Modena bestand, machte diesen gegenüber allen österreichischen, auf die Unterbindung des Transites geschlossener Postpakete gerichteten Plänen uninteressiert und gleichgültig. Das kam im besonderen gegenüber den Bestrebungen Österreichs zur Geltung, auch Modena — für den Fall der Rückkehr der spanischen Bourbonen nach Parma — jene geheimen Postverpflichtungen aufzuerlegen, die Parma schon 1817 übernommen hatte41). Aber weder Sardagna, der es an finanziellen Verlockungen ebensowenig wie an dem Schreckmittel der italienischen Geheimbünde fehlen ließ, noch Metternich, der im Sommer 1825 persönlich mit Franz IV. verhandelt hat, vermochten diesen zum Abschlüsse eines so weitgehenden Postvertrages zu bewegen. Der Herzog fürchtete, darüber mit Rom und Sardinien in Konflikt zu geraten, und empfand die österreichische Forderung als eine drückende Zumutung. Nicht einmal in Form eines eigenhändigen, an Kaiser Franz gerichteten Schreibens wollte er diese Verpflichtung auf sich nehmen42). Das einzige, wozu er sich schließlich verstanden 39) Mett, an Neipperg 23 XI 6, Neipperg an Mett. 23 XI 14 Parma, adm. Reg. Postwesen. “) Neipperg an Mett. 24 I 15 Parma, adm. Reg. Postwesen. 41) N. B i a n c h i 1. c. 2, iji. “) Bericht Sardagnas 25 VII 3 Modena, adm. Reg. Postwesen; Franz IV. an Mett. 2} VIII 20 1. c. 85