J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

reichischen Postbeamten abgelehnt35). Und je wirksamer sich unterdessen die Hüninger Postlinie entwickelte, um so enger schloß sich Massimo an Sardinien und Frankreich an. Nun beschleunigten auch diese aufs neue ihre Postkurse und je mehr sich Massimo an den Grundsatz der persönlichen Postrouten­freiheit hielt und je eifriger er in Turin und Paris für die Rückkehr zur alten Posttransitverbindung warb, um so mehr verschob sich die Entscheidung über diese Fragen nach der französischen Kapitale. Unterdessen waren auch die Postverhältnisse an der Via Emilia einer Neuordnung unterzogen worden. Der Postvertrag, der 1817 zwischen Öster­reich und Parma abgeschlossen worden war, hatte dieses verpflichtet, seine gesamte französische Korrespondenz über Mailand zu leiten. Nun war aber im zweiten österreichisch-sardinischen Postvertrage von 1823 Parmas Post­verkehr mit Südfrankreich Sardinien überlassen worden. Dadurch wurde eine Revision des Postvertrages von 1817 notwendig, die im Sommer 1823 wäh­rend eines längeren Aufenthaltes Maria Louisens und ihres Ehrenkavaliers Graf Neipperg in Wien und Baden verhandelt und durch einen neuen, von dem Staats- und Konferenzrat Baron Stürmer Unterzeichneten Postvertrag36) vollzogen worden ist. Noch immer war das Herzogtum ein wichtiger Faktor im österreichisch-italienischen Postsystem und nach wie vor stand der Rückfall des Landes an die spanischen Bourbonen nach Maria Louisens Ableben in Aussicht. Da lag es nahe, den neuen Postvertrag mit Parma so zu gestalten, daß der politische Zweck desselben gesichert, daneben aber Parma doch ein damit einigermaßen verträglicher Spielraum gewährt wurde, der ihm den Postvertrag als den eigenen Interessen entsprechend und daher als erhaltens­wert erscheinen ließ37). So wurde neben verschiedenen finanziellen Zuge­ständnissen Parma nicht nur der Briefverkehr mit Südfrank­reich freigegeben, sondern auch der Genueser Korrespondenzwechsel mit den Legationen und Marken, der bisher über Mantua gelaufen war, über­antwortet. Um so sorgfältiger aber wurde jeder unmittelbare Postverkehr zwischen Parma und dem Kirchenstaate ausgeschaltet. Er wurde mit Still­schweigen übergangen, als ob er gar nicht in Frage kommen könnte38). Auf dieser neuen Grundlage hat Parma noch in der zweiten Hälfte 1823 seine Postverhältnisse mit Sardinien in Ordnung gebracht. Auch mit Rom waren Verhandlungen gepflogen, auf Metternichs Wunsch aber wieder ein­gestellt worden. Die Vereinbarungen, die Parma zur selben Zeit mit Modena traf, lagen ganz innerhalb des Rahmens seines sardinischen Postvertrages vom 15. Oktober 1823. Die Verhandlungen wurden in Turin geführt und Baron Daiser, der österreichische Legationsrat, ihnen beigezogen. Auf sein Betreiben lehnte Parma den ihm von Sardinien angebotenen Korrespondenz­verkehr mit der Südwestschweiz ab; den wollte Österreich vermitteln. Um so freier aber waren die Abmachungen gehalten, die Parma und Sardinien für den Postverkehr zwischen Turin und Modena trafen. Ihn über Mailand zu leiten, dazu verpflichtete Parma der österreichische Postvertrag keineswegs. Daß aber die beiden sardinisch-modenesischen Wochenpostkurse so rasch die Via Emilia entlang eilen sollten, als wenn sie mit den lombardischen Post­35) Bericht aus Rom 25 XI 15 Rom (adm.) 9. 38) 23 VII 26 Urkunden (Bittner n. 2216). 37) Note an Hofkammer 23 VII 31 Notenwechsel 28; Vortrag 23 VIII 17 Vorträge 346. 3S) Bericht Liliens 23 VII 8 Rom (adm.) 17. 84

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