J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

ten Postunternehmern überantworten. Auch ließ es Herzog Franz IV. durch Bombelles die Rechtslage erläutern, die die Kurie zur Schließung des Bologne­ser Transits ermächtigte: Würde und Ansehen des Kaiserstaates stünden auf dem Spiele. In der Tat verließ Bombelles Modena nicht früher, als bis er nicht den Herzog zum Abschlüsse einer Poststraßenkonvention bestimmt hatte, der dann auch Toskana beigetreten ist20). Inzwischen war der Bologneser Transit noch bis zum i. Mai 1823 verlängert, mit diesem Tage aber einge­stellt worden. Nur in unvorhergesehenen Fällen wollte sich Österreich dieser Linie auch in Hinkunft bedienen. So leicht aber, wie man in Wien und Florenz meinte, ließ sich Consalvi keineswegs bezwingen. Erst leitete er die römische (und neapolitanische), nach Mittel- und Nordfrankreich bestimmte Post über Ferrara, wodurch er das österreichische Postnetz in nicht geringe Verwirrung brachte. Dann be- rannte er mit wachsender Erbitterung die modenesische Front. Denn nun erst — nach mehr als fünf Jahren — war der Augenblick gekommen, in dem es auf die geheimen Artikel ankam, die Parma 1817 hatte eingehen müssen (S. 67 f.). Jetzt überraschte es seine Nachbarn im Westen und Osten mit der Mitteilung, daß es keinerlei Transitpakete befördern werde. Das nahm Modena mit so unverhohlener Mißstimmung auf, daß man in Wien befürchtete, es würde nun seinerseits die Pistojer Route unterbrechen. Auch die Zumutung, sich bezüglich der Transitpakete ähnlich wie Parma zu binden, hat Modena weit von sich gewiesen21). Die beiden Außenseiter aber, Sardi­nien und der Kirchenstaat, drückten mit äußerster Kraft der eine auf Parma, der andere auf Modena. Für Parma, den Witwensitz Maria Louisens, war allerdings nichts zu befürchten, wenngleich es unter den Auswirkungen dieses Postkrieges nicht wenig zu leiden hatte. Denn es legte Metternich alle An­träge Sardiniens zur Begutachtung vor und erhielt von ihm die Weisung, daß es nur mit Südfrankreich direkt über Sardinien korrespondieren dürfe. In der Tat hat sich Sardinien dieser Postsperre nach kurzem Widerstande gefügt. Um so eifriger aber hat Modena am Ostflügel der Via Emilia den Transit der römischen Postpakete unterstützt, wiewohl es Österreich im Falle eines Mißbrauches seiner unmittelbaren Postverbindung mit Sardinien mit dem Entzüge derselben bedrohte. Aber schon eilte Sardagna herbei und drang in Parma auf die Eröffnung der römischen Postpakete und auf die Umleitung ihres Inhaltes22). Sie verschwanden nun wohl von der Bildfläche. Zugleich schwollen aber die modenesischen Postpakete zu verdächtiger Größe an und als man sie in Parma eröffnete, fanden sich darin die römischen Transitpakete vor23). Nun wurde auch dieser Unfug abgestellt. Einen letzten Ausweg hat Consalvi unter Umgehung Parmas auf der Straße über Reggio und Aulla nach dem sardinischen Sarzana gesucht24) und erst als ihn Modena ablehnte, hat er seine Durchbruchsversuche aufgegeben. Selbst das kleine Lucca25) hat sich damals im Einvernehmen mit Sar­dinien in „anmaßender, unbegründeter und tendenziöser Weise“ in den Kreis 20) 23 III 22 L. Neumann 1. c. 4, 21. 21) Beridit aus Modena 23 V 9 Modena, adm. Reg. Postwesen. 22) Schreiben an Ncipperg 23 IV 13 Parma, adm. Reg. Postwesen. 23) Beridit Sardagnas 23 IV 25 Parma, adm. Reg. Postwesen. 24) Bericht aus Parma 23 V 6 Modena, adm. Reg. Postwesen. 25) N. B i a n c h i 1. c. 2, 153. Mayr, Metternichs geheimer Briefdienst. 6 81

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