J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

der österreichfeindlichen Mächte gestellt26). Es nahm Fühlung mit Modena und plante eine unmittelbare Straßenverbindung, die durch eine Flügellinie über die Apenninen hinweg nach Bologna hergestellt werden sollte. Zu gleicher Zeit verbesserte Sardinien die Poststraße Genua—Lucca. Trachtete so das kleine Herzogtum, in dem damals die bourbonische Königinwitwe von Etru­rien Maria Louise regierte, sich auf der einen Seite als Verbindungsglied zwischen Sardinien und den Kirchenstaat einzuschalten, so suchte es auf der anderen, seiner Zwischenlage entsprechend, der Durchführung des toskanisch­österreichischen Postvertrages Hindernisse in den Weg zu legen. Solange der genuesische Postkurier Florenz erreichte, hatte Lucca nichts dagegen einzu­wenden gehabt. Nun aber, da dieser in Hinkunft die Grenze Toskanas nicht mehr überschreiten durfte, mischte sich Lucca in die Frage der Bestimmung der Postwechselstationen27) und drohte, dem toskanischen Postkurier den Durchzug zu versagen. Seit dem Abschlüsse des toskanisch-österreichischen Postvertrages von 1822 und der gleichzeitigen Aufdeckung des parmesanisdren Querriegels von 1817 sah sich Marchese Massimo, der pästliche Oberpostdirektor, ein poli­tischer Schwachkopf und ein Anhänger des Liberalismus, wie ihn der öster­reichische Botschafter nannte28), an allen Flanken von dem verhaßten Österreich umstellt. Das einzige Gegengewicht, das er noch in Händen hatte, war der Bologneser Transit, dessen Absperrung der österreichischen Postver­waltung lästig zu werden begann29). Wohl fand Massimo in dieser kritischen Lage bei den Gesandten Sardiniens und Frankreichs Hilfe und Beistand, dem Postvertrage aber, zu dessen endgültigem Abschlüsse Metternich im Sommer 1823 Lilien nach Rom entsandte, vermochte er sich nicht zu ent­ziehen. Nun war — so meinte dieser — der Augenblick da, in dem er die vertraglichen Bindungen, die soeben Toskana hatte auf sich nehmen müssen, auch auf Rom ausdehnen konnte30). Allein die Kurie widersetzte sich seinen Vorschlägen — nicht anders wie vor fast zwanzig Jahren — mit äußerster Kraft. Sie weigerte sich, dem von Lilien angeregten Posttransite Rom—Flo­renz—Mantua zuzustimmen, sondern wollte Bologna zu einer Zentralpost­station ausgestalten und alle römischen, über Fano gelegten Postkurse ent­sprechend beschleunigen lassen. Das war nun freilich zum guten Teile auch auf die Perlustrierung der ausländischen Briefschaften berechnet, die sich bis zur Sperre des Bologneser Transits dank der Nachlässigkeit der österreichisch­toskanischen Postkuriere während des üblichen vier- bis fünfstündigen Auf­enthaltes unschwer hatte durchführen lassen. Und als nun Lilien mit Gegen­vorschlägen antwortete, die diese Einsichtnahme vereitelten, verschärften sich neuerdings die Zwistigkeiten. Massimo schrieb sie dem Eigensinne Consalvis zu. Vereint aber kämpften sie beide für die persönliche Freiheit der Korre­spondenten in der Wahl der Poststraßen, die Lilien als „Capricen und fixe Ideen“ verurteilte31). Am 19. August 1823 Unterzeichnete dieser den Postvertrag32), einen 28) Weisung nach Florenz 23 I 10 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 27) Bericht aus Turin 23 V 28 Sardinien, adm. Reg. 3. 2S) Bericht aus Rom 21 IX 17 Rom (adm.) 2. 29) Beridit aus Florenz 23 XI 2j Toskana, adm. Reg. Postwesen. **) Instruktion für Lilien 23 VI 23 Rom (adm.) 17. 31) Berichte Liliens 23 VIII 6, 11 Rom (adm.) 17. *) L. Neumann 1. c. 4, j8. 82

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