J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

österreichischen Postvertrages von 181625 *). Zugleich schlossen sie eine Ersatz­konvention mit Sardinien ab, in der sie auf den Simplontransit verzichteten und dafür die Vermittlung der Korrespondenzen zwischen Sardinien und Süddeutschland übernahmen28). Damit waren die Fischer aus österreichischen Parteigängern zu sardinischen Postagenten geworden, über die sich nun Sar- dagnas ganzer Groll entlud. Der italienisch-französische Simplontransit war aber in Liliens Post­system ein so wichtiger Faktor, daß dieser, noch ehe ihn die Fischer zurück­gelegt hatten, auf dessen Wiedergewinnung bedacht war. Nun wollte er ihn den Waadtern und Wallisern anbieten, demnach statt über Genf über Lau­sanne leiten und gemeinsam mit Frankreich in Turin darauf dringen, daß nicht eine mittlere Macht sich unterfange, die Postverbindung zweier Groß­mächte willkürlidt zu beirren23). Auch hoffte er, die sardinische Märzrevolution des Jahres 1821 und den dadurch verursachten Thronwechsel zu einer dauern­den Gewinnung des Simplontransits benützen zu können27). Sardagna er­hielt den Auftrag, mit den Waadtern und Wallisern insgeheim zu verhandeln und sich nach Abschluß des Postvertrages zur Vorbereitung der französisch­österreichischen Kollektivdemarche nach Paris zu begeben28). Das Schicksal des ganzen österreichisch-italienischen Postsystems schien an die Wieder­gewinnung des Simplontransits geknüpft zu sein. Am 16. Dezember 1821 hat Sardagna in Mailand den Postvertrag mit den Waadtern und Wallisern29) abgeschlossen. Nun wurde neben Ferney auch Pontarlier als französische Grenzpoststation in Aussicht genommen, um durch deren Vermittlung auch die Postrouten des mittleren und nördlichen Frankreichs für den Simplontransit zu gewinnen und dadurch von der unsicheren St. Gotthard- Linie abzulenken. Besondere Sorgfalt ließ Sardagna der Sicherheit der Post­pakete (S. 69) angedeihen, die mit doppelten Buchstabenschlössern versehen und von besonders vertrauenswürdigen Personen begleitet werden sollten. Auch alle sonstigen, seit 1817 üblichen Sicherheitsklauseln (S. 50) wurden in diesen Postvertrag übernommen. Damit war die Situation von 1816 wieder hergestellt und alles kam nun neuerdings darauf an, daß auch Turin seine Einwilligung gab. Im Jänner 1822 hat Sardagna die Reise nach Paris angetreten. Seine Hauptaufgabe war, die Differenzen, die sich über dem ersten österreichisch- französischen Postvertrag ergeben hatten, auszugleichen, die finanziellen Vor­teile desselben aufrechtzuerhalten und alle seine Vorschläge — den Abbau der Hüninger Postlinie zugunsten der neuen über Pontarlier, den gemeinsamen diplomatischen Schritt in Turin u. a. m. — der politischen Note zu entkleiden, die ihnen anhaftete30). Die finanziellen Abmachungen von 1817 unbemerkt in den neuen Vertrag hinüberzuretten, ist Sardagna, der von dem österreichi­schen Liquidierungskommissär Barbier unterstützt wurde, nicht schwer ge­fallen. Und als sich die französischen Unterhändler bereit erklärten, die Turiner Demarche durch das Druckmittel der eben zwischen Frankreich und 25) Schreiben der Fischer 20 XII 29 Schweiz, Nachträge. 2e) Bericht Barbiers 22 IV 30 Friedensakten 158. 27) Lilien an Ottenfels 21 IV 6 Sardinien, adm. Reg. 3. 2S) Weisung an Sardagna 21 XI 19 Friedensakten 158, 29) Urkunden (Bittner n. 2181); M. H e n r i o u d, Wallis 39. 30) Weisung (Anm. 28). 73

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