J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

Postkurs zu entziehen und über Genua und Mailand zu leiten24). Die Post­beförderung wurde dem zwischen Madrid und Rom verkehrenden Kabinetts­kurier, der auch die Postverbindung mit Sardinien vermittelte, anvertraut und als Postumschlagplatz das spanische Generalkonsulat in Genua bestimmt, das durch einen österreichischen Kurier mit Mailand in Verbindung gesetzt wurde. Der provisorische spanisch-österreichische Postvertrag vom März 1818 suchte — wohl aus Sicherheitsgründen — den Postwechsel von Sardinien nach Toskana zu verlegen; so oft der spanische Kabinettskurier Florenz pas­sierte, hinterließ oder empfing er dort auf der österreichischen Gesandtschaft die Postpakete nach und von Mantua25). Auf diese nicht eben ganz konse­quente Art — hatte man doch bisher den spanischen Kabinettskurier mit scheelen Augen angesehen — hoffte man die unmittelbare Postverbindung mit Spanien und Portugal vor Frankreich und Sardinien verbergen zu können. Für den äußersten Fall war sogar eine direkte Seepostverbindung zwischen Barcelona und Livorno vereinbart worden. Nur zu bald aber entdeckten Frankreich und Sardinien den hinter ihrem Rücken hergestellten spanisch­österreichischen Postkurs. Zugleich wurden auch in Österreich — zumal in Böhmen (Haida) — Klagen über die Langsamkeit desselben laut26). Als Frankreich Protest einlegte und Sardinien den Transit der Postpakete verbot, mußte sich Österreich wieder mit der alten, durch Frankreich vermittelten Postverbindung begnügen. Einen vollen Erfolg hat Österreich nur in Parma und Modena zu er­zielen vermocht. Die Flerzogtümer gehörten, wie wir uns erinnern, mit zu den Barrierestaaten von 1816 und waren auch von Sardinien 1817 in Paris als österreichische Postdomänen anerkannt worden. In Parma, dem Regie­rungssitze Maria Louisens, der Tochter des Kaisers Franz, hatte Sardagna einen Postvertrag abzuschließen, der das Land auch dann noch an Österreich fesseln sollte, wenn es nach dem Tode Maria Louisens wieder den spanischen Bourbonen zugefallen war27). Seiner geographischen Lage entsprechend war das Herzogtum ein stark befahrenes Postdurchzugsgebiet, über das Frankreich und Sardinien mit Modena, den Legationen und Marken korrespondierten. Die geheimen Artikel, die Sardagna dem am 13. November 1817 Unterzeich­neten Postvertrage28) anfügte, unterbanden oder verlegten diese Transitwege. Parma mußte sich verpflichten, fremden, österreichisches Gebiet nicht berüh­renden Postkurieren und Postpaketen den Durchzug zu verweigern. Der Transitverkehr zwischen Sardinien und den Legationen und Marken wurde über Mantua geleitet. Einen ähnlichen Umweg hatten in Hinkunft die Kor­respondenzen zwischen Frankreich und Parma, Modena, den Legationen und Marken einzuhalten und österreichische Postkuriere den Briefverkehr zwi­schen Parma und Toskana, Rom und Neapel zu vermitteln. Nurmit Sar­dinien und Modena blieben Parma unmittelbare Kor­respondenzwege offen. Und so sehr nahm man sich bei diesem Ver­trage auch sonst vor Sardinien in acht, daß das Original desselben, das 24) Denkschrift Liliens 15 VI 30 Notenwechsel ad Hofkammer 143 b. 25) Postvertrag 18 III 23 Urkunden (Bittner n. 1950); Weisung nach Madrid 18 VIII 2} Spanien, Nachträge. 2e) Note von Hofkammer 19 V 22 Notenwechsel 51. 27) Weisung an Sardagna 17 XII 26 Parma, adm. Reg. Postwesen. 2S) Urkunden (Bittner n. 1918). 67

Next

/
Oldalképek
Tartalom