J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

land die Grundlinien des neuen Postsystems gezogen13), in das die fremd- italienischen Staaten eingegliedert werden sollten, noch ehe sie sich zum gegen­seitigen Abschlüsse von Postverträgen verstanden hatten. Aufmerksam beob­achteten Mercy und Lilien von Mailand aus die fremditalienische Staatenwelt, ließen auch durch die Gesandten in Florenz, Rom und Neapel Erkundigungen einziehen. Aber außer dem Widerhall des Zwistes um die römischen Post­ämter drang nichts an ihr Ohr. Noch hatte keiner der fremditalienischen Staaten ein festes Postsystem angenommen, noch auch mit den Nachbarn Rücksprache gepflogen. Ende Februar 1816 hat Metternich Kaiser Franz Bericht erstattet14). Wollte er die Gunst des Augenblicks nicht ungenützt verstreichen lassen, dann durfte er Mailand nicht eher verlassen, bis nicht unter seiner persönlichen Mit­hilfe und unter dem Drucke finanzieller Forderungen die geheimen Pachtver­träge mit den österreichischen Nebenlinien abgeschlossen und damit ein un- überschreitbarer Damm habsburgischer Familienbesitzungen aufgerichtet war. Von der österreichischen Postkontrolle hing die Ruhe ganz Italiens ab. Kaiser Franz hat jedoch diesen Vertrag niemals resolviert. Sechs Jahre lang hat er ihn bei sich behalten und dann zu den Akten legen lassen. Liliens Vorschläge blieben unausgeführt. Mehr als die Errichtung einer Postloge in Florenz und die Herstellung eines heimlichen Einverständnisses mit dem päpstlichen Post­amte in Rom glaubte er nun nicht mehr durchsetzen zu können. Damit war den fremditalienischen Staaten Zeit und Gelegenheit zum Abschlüsse selbstän­diger Postverträge gegeben. 2. Der Nebenbuhler Sardinien. Der Gegenspieler, dem damit Österreich das Feld räumte, war das König­reich Sardinien. Und hinter diesem stand — es schützend und zugleich er­munternd — Frankreich, Österreichs Rivale auf dem Boden Italiens. Rasch hatte sich die sardinische Regierung von der Dankespflicht erholt, die sie den österreichischen Waffen für ihre Wiedereinsetzung schuldete1). Das hing mit dem Wettbewerbe zusammen, der sich seit dem Sturze Napoleons über den Korrespondenzverkehr mit Fremditalien zwischen Österreich und Sardinien zu entwickeln begann. Denn als Vermittler der französischen und englischen Italienkorrespondenz konnte auch Sardinien wohlbegründete Ansprüdie darauf geltend machen. Und je eifriger Österreich an der Zentralisierung der fremditalienischen Postlinien in Lombardo-Venezien arbeitete, um so eifer­süchtiger verfolgten Frankreich und Sardinien diese Bestrebungen, die auf die Gewinnung der Oberaufsicht über den gesamten fremditalienischen Ausland­briefverkehr und damit auf die Stärkung des politischen Einflusses Österreichs hinauszulaufen schienen 2). Es war nicht zuletzt die Gunst der geographischen Lage, die Sardinien auf diesem Kampffelde zugute kam und die es unter keinen Umständen aus der Hand zu lassen gedachte. Auch Metternich hat es als den natürlichen Ver­mittler zwischen Frankreich und Italien betrachtet. Dieses Moment wirkte 13) Deliberations 16 I 16 bis II 15 Notenwechsel ad Hofkammer 143 b. 14) Vortrag (Anm. 4 S. 13). ') Denkschrift Sardagnas 21 X 12 Provinzen, Lomb.-Venezien 21. 2) J. R a u 1 i c h, Storia del risorgimento 1, 498. 62

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