J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)
II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien
sich nádi dem Ende der französisdien Herrschaft noch insbesondere dahin aus, daß König Viktor Emanuels) der Mißwirtschaft im sardinischen Postwesen ein Ende machen und von den in Sardinien zurückgebliebenen französischen Beamten eine Generalpostdirektion einrichten ließ, die in Würdigung ihrer Bedeutung dem Ministerium des Äußern unterstellt wurde, dessen ganzes Budget auf die Posteinkünfte angewiesen war. Aus eben diesen Gründen hat Sardinien 1818 ein Poststempelpapier eingeführt, einen Vorläufer der späteren Briefmarken* 4 *). Das Postnetz blieb unverändert so, wie es zur Zeit der französisdien Verwaltung eingerichtet worden war. Von den fünf Postrouten, die von Turin nach der Schweiz (Genf), nach Toskana (Florenz), nach der Lombardei (Mailand), nach Frankreich (Pont de Beauvoisin) und nach Spanien (über Genua) liefen, lagen die beiden ersten und bis 1816 auch die dritte ganz in den Händen der sardinischen Postkuriere 6). Zum erstenmal stießen Österreich und Sardinien im Sommer 1817 in Paris aufeinander, woselbst sich damals die postpolitischen Bestrebungen Frankreichs mit denen zahlreicher anderer europäischer Staaten — Österreichs, Preußens, Bayerns, Sardiniens — kreuzten. Sardinien verlangte in Paris die Vermittlung des Postverkehrs zwischen Frankreich und Toskana, Rom und Neapel6), und die französische Regierung zögerte keinen Augenblick, sie ihm im Juni 1817 vertraglich zuzuerkennen7). Damit hatte Sardinien den österreichischen Postkommissären — Baron Barbier, dem österreichischen Liquidierungskommissär in Paris, später auch Lilien — den Rang abgelaufen. Sie mußten sich in ihrem Postvertrage vom 10. August 18178) mit einem Eventualartikel begnügen, der der französischen Kardinalforderung entsprechend an die Voraussetzung geknüpft war, daß alle jene fremditalienischen Staaten — Toskana vor allem, dann auch Rom und Neapel —, die mit Frankreich über Lombardo-Venezien statt über Sardinien korrespondieren wollten, in Paris ausdrückliche Erklärungen dieses Inhaltes abgaben9). Wobei Sardinien das Mißtrauen zustatten kam, das ganz Italien der österreichischen Postanstalt entgegenbrachte. Einmütig bevorzugten die Missionen Frankreichs, Spaniens, Englands und der Niederlande gleich den Einwohnern des Landes den Postweg über das sardinische Genua10). Toskana war 1816, wie oben erwähnt, als Glied der österreichischen Postbarriere in Aussicht genommen. Es lag an der österreichischen Hauptpostlinie nach Rom, die es an Stelle jenes alten Postkurses, den es zwischen Florenz und Venedig unterhalten hatte, nun bis Bologna auch selbständig befuhr. Und als die österreichische Hauptpostlinie unter den Auswirkungen der Auflassung des altvenezianischen Postamtes in Rom zusammenbrach und erst auf der verkürzten Linie Mantua—Modena—Bologna—Florenz wieder stabilisiert s) E. Melillo in Rivista delle Communicazioni 1910. 4) Bericht aus Turin 18 XII 2 Sardinien, adm. Reg. 3; A. Rothschild, Hist, de la poste 184 f.; O. Veredarius, Buch von der Welt post 24. 6) Bericht aus Turin 16 XII 18 Sardinien, adm. Reg. 3. 6) Bericht Barbiers und Liliens 17 VII 23 Friedensakten 158. 7) Bericht Barbiers und Liliens 17 VIII 6 Friedensakten 158; A. Clercq, Rec. des traités 3, 38. 8) L. Neumann 1. c. 3, 258. 8) Bericht Barbiers und Liliens 17 VII 16 Friedensakten 158. 10) Bericht aus Rom 17 IX 16 Rom 12. 63